Gegen Ende sei es streng geworden, gibt Anouk Berger zu. Die 16-Jährige hat vor Wochenfrist gerade ihr erstes Mehretappenrennen absolviert – und gewonnen. Von Donnerstag bis Sonntag galt es viermal ernst. Und die Dätwilerin kam hervorragend aus den Startlöchern.
«Die erste Etappe lief sehr gut, ich konnte früh einen relativ grossen Vorsprung herausfahren», freut sie sich. Die Strecke rund um das Schloss Solitude mass zwar lediglich etwa eineinhalb Kilometer, musste aber 35-mal unter die Räder genommen werden. So läpperten sich knapp 54 Kilometer zusammen. Nur eine Konkurrentin vermochte mitzuhalten, den Rest distanzierte die Weinländerin bereits um rund drei Minuten. Ein Vorsprung, den sie in der Folge bis zum Schluss zu verwalten wusste. Sie landete auch auf den Rundkursen in den Stuttgarter Vororten Vaihingen (45 Runden, insgesamt 49 Kilometer), Magstadt (20, 69) und Plattenhardt (25, 61) jeweils auf den vorderen Rängen.
Regeneration und Velokontrolle
«Es war eine neue, spannende Erfahrung», schwärmt Anouk Berger, die sich an der United School of Sports zur Kauffrau ausbilden lässt. Sich in kurzer Zeit möglichst gut zu erholen, sei entscheidend. Auch wenn sie die Anstrengung in der dritten und vierten Etappe gespürt habe, sei ihr das gut gelungen.
Dass es auf Anhieb gleich der Sieg werden würde, habe sie nicht erwartet. «Ich wollte einfach mein Bestes geben und vorne mitfahren.» Umso mehr freue sie sich nun über den Erfolg. Die Herausforderung gefalle ihr, und sie wolle auch in Zukunft wieder an Mehretappenrennen teilnehmen.
Die kurzen Runden an den Race Days Stuttgart hatten ihre Tücken. «Die U19 fuhr zeitgleich mit der Elite. Insgesamt waren wir rund 80 Frauen», sagt Anouk Berger. Entsprechend eng war es auf der schnellen und kurvigen Strecke. «Man muss sich gut im Fahrerinnenfeld behaupten können und sein Velo unter Kontrolle halten.» Dass die Unterlage teilweise aus Pflastersteinen bestand und es zu Beginn des Rennens regnete, machte die Aufgabe nicht einfacher.
Ein willkommener Ausgleich
Damit sie solche Schwierigkeiten meistern kann, trainiert sie sieben- bis acht- mal pro Woche. Und das seit mehreren Jahren. Während der Saison tritt sie praktisch jedes Wochenende zu einem Rennen an, entweder auf der Strasse oder mit dem Mountainbike im Gelände. «Es ist cool, draussen unterwegs zu sein und ans Limit zu gehen.» Jedes Rennen sei verschieden, je nach Situation und Streckenverlauf brauche es eine andere Taktik.
Das Mountainbike biete zudem einen schönen Ausgleich zum Strassenvelo. Sie fahre beide gleich gern und wolle keines missen, so Anouk Berger. «Bei Mountainbikerennen sind die Starterfelder kleiner, und alle fahren in erster Linie für sich selbst.» Auf der Strasse sei ab einem gewissen Alter hingegen viel mehr Teamwork gefragt, und jedes Mitglied müsse eine bestimmte Rolle erfüllen. Unterschiedliche Philosophien, die sich ergänzen. In welche Richtung sie es in Zukunft zieht, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist der Spitzensport das Ziel.
Unter fremder Flagge
In Stuttgart vertrat Anouk Berger den Veloclub Sursee. Das ist jedoch nicht die Regel. «Der Trainingsstützpunkt Zentralschweiz von Swiss Cycling hat mich angefragt, ob ich an den Race Days teilnehmen wolle, und hat mich angemeldet.» So sei die ungewohnte Vereinsbezeichnung in der Rangliste zustande gekommen, erklärt sie.
Denn eigentlich gehört die Dätwilerin dem Radfahrerverein Winterthur an. Für diesen wird sie Ende Juni auch die Schweizer Meisterschaften auf der Strasse in Angriff nehmen. Etwas später folgt dann die nationale Entscheidung auf dem Mountainbike. «Ich möchte in beiden U19-Rennen einen möglichst guten Rang herausfahren», so Anouk Bergers vorsichtige Formulierung ihrer Ziele. Dass daraus viel werden kann, zeigten die Race Days Stuttgart.
Runde für Runde zum Sieg