Sprung an die WM geschafft

Seilspringen - Ein Geschwisterpaar aus Dachsen brillierte an der Schweizer Meisterschaft in Baar ZG. Manuel Schneider wurde Erster, Stefanie Dritte. Im Sommer geht es deshalb für beide erstmals an eine Weltmeisterschaft.

Manuel Sackmann (msa) Publiziert: 04. April 2025
Lesezeit: 3 min

Der Reiz ihres Hobbys liegt in der schier grenzenlosen Kreativität, die man ausleben kann. Darin sind sich Stefanie und Manuel Schneider einig. Die 19-jährige Dachsemerin und ihr drei Jahre jüngerer Bruder gehören zur nationalen Spitze im wettkampfmässigen Seilspringen – oder Rope Skipping, wie es im Fachjargon heisst.
 
Sie lieben die Mischung aus Einzel- und Teamsportart sowie aus Speed- und Freestyle-Disziplinen. Um in 30 Sekunden beziehungsweise 3 Minuten so viele Sprünge wie möglich zu absolvieren, sei Fitness erforderlich, erklärt Stefanie. «Man springt einfach und testet seine Grenzen.» Freestyle sei der schöne Teil, in dem sie sich frei entfalten und zu Musik Tricks und Choreografien vorführen könne. Manuel ergänzt: «Egal, wie lange man schon springt, man findet immer etwas Neues zum Üben. Es wird nie langweilig.»

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Stefanie Schneider (19) wurde an der Schweizer Meisterschaft Dritte in der höchsten Kategorie. | zvg

Erstmals an eine WM

Die beiden verstehen etwas von ihrem Fach. Am vergangenen Wochenende fanden in Baar ZG die Schweizer Meisterschaften statt. Die Geschwister Schneider starteten in der höchsten Kategorie ERSO (European Rope Skipping Organisation). Manuel feierte bei den Herren seinen ersten Titel, ja sogar seinen ersten Podestplatz überhaupt. Stefanie wurde bei den Damen Dritte – «trotz einiger Fehler», wie sie zugibt.

Es sei ein sehr anstrengender und langer Wettkampftag gewesen, sagt das Dachsemer Duo. Nebst ihren eigenen sportlichen Einsätzen amteten die beiden zusätzlich als Wertungsrichter. Und Stefanie als Leiterin im Satus Dachsen betreute dazu noch den ebenfalls erfolgreichen Vereinsnachwuchs während des Tages (zwei Titel, dazu drei Podestplätze und ein Schweizer Rekord). 

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Manuel Schneider (16) errang bei den Heeren gar den Titel. | zvg

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Mit ihren Spitzenresultaten qualifizierten sich der angehende Bäcker und die Physiotherapie-Studentin für die Weltmeisterschaft, die im Sommer in Kawasaki (Japan) stattfindet. Eine Premiere. Zwar standen sie in der Vergangenheit bereits an Europameisterschaften und gemeinsam als Team am europäischen Show Contest im Einsatz, für eine WM hatte es bislang aber noch nie gereicht.

Im Hinblick auf das grosse Highlight haben Stefanie und Manuel Schneider einen Spendenaufruf gestartet. Nach dem Motto «2 Franken für 2 WM-Starter» hoffen sie, 2000 Gönner zu finden und 4000 Franken zu sammeln. Das Geld benötigen sie für die Wettkampfgebühren und die Unterkunft. «Wir freuen uns über jede Spende», so Stefanie.

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Beide waren schon an Europameisterschaften, eine WM ist hingegen ein Novum. | zvg

Ein Bäcker hat es nicht leicht

Wie weit es auf der grösstmöglichen internationalen Bühne reicht, wird sich zeigen. Stefanie und Manuel Schneider trainieren jedenfalls hart dafür. Zweimal pro Woche sind sie im Verein aktiv sowie zwei weitere Male selbständig zu Hause. Hinzu kommen häufig auch noch Kraft- und Ausdauereinheiten.

Das Training mit der Ausbildung unter einen Hut zu bringen, ist bei ihr einfacher als bei ihm. «Das Studium lässt sich gut mit dem Sport verbinden, und ich kann auch direkt davon profitieren», sagt Stefanie. Auch in ihrem Nebenjob auf dem Mühlebachhof in Dachsen sei sie «recht flexibel».

Als Bäcker mit den damit verbundenen speziellen Arbeitszeiten hat es Manuel deutlich schwieriger. «Es ist anstrengend. Da die Trainings am Abend sind, muss ich am Nachmittag immer nochmals schlafen.» Und nach dem Training gebe es keine ÖV-Verbindung mehr. «Ich muss mich jeweils gleich im Anschluss verabschieden, um mit dem Velo von Dachsen zum Wyland Beck in Truttikon zu fahren.» Sein Chef halte ihm aber für Wettkämpfe und sonstige sportliche Anlässe stets den Rücken frei. Allgemein zeigten seine Arbeitskollegen sehr viel Interesse an seinem Hobby. So lies­sen sich die Strapazen gut ertragen. Gratis-Training auf dem Arbeitsweg inklusive. 

«2 Franken für 2 WM-Starter», Spenden via Twint: 077 532 91 96