Ein Eigenbau für die Rennstrecke

Region - Zwei Tüftler aus Neftenbach bauen schon seit jungen Jahren in ihrer Freizeit Go-Karts – und das von Grund auf in Eigen­regie. Nun wagen sich die beiden Lernenden an ihr bislang grösstes Projekt.

Manuel Sackmann (msa) Publiziert: 30. Oktober 2026
Lesezeit: 5 min

Riaan Grov und Noan Zaugg haben ein klares Ziel: den Nürburgring. Die legendäre Rennstrecke im Westen Deutschlands ist aus dem Motorsport nicht wegzudenken. Die beiden Neftenbacher planen aber nicht, sich dort hinter das Steuer eines Rennboliden zu setzen. Stattdessen wollen sie den Rennboliden selbst bauen.

Einen Kart, um genau zu sein. Die Absicht ist, damit an Zeitfahrwettbewerben in der Tüftlerklasse anzutreten, um sich mit anderen Eigenbauvehikeln zu messen. «Es ist ein wesentlich grös­seres Projekt als alles, was wir bisher gemacht haben», betont Noan Zaugg. Heute ist er 17 Jahre alt und Konstrukteur-Lernender im Ausbildungszentrum Winterthur. Riaan Grov ist 16 und lässt sich bei Porsche zum Automechatroniker ausbilden. Gemeinsam nennen sie sich «NR Projects». Ihre Berufswahl wirkt wie die logische Folge ihrer frühen Jugend. Denn angefangen hat alles schon vor mehreren Jahren.

Eine Bierkiste als Basis

Zunächst bastelten sie Seifenkisten. «Wir wollten einfach etwas bauen, das fährt», sagt Noan Zaugg. Bald entdeckten sie auf Ricardo eine motorisierte Bierkiste, fanden das Konzept spannend und kauften sie kurzerhand mit dem eigenen Taschengeld. Die Basis für ihre späteren Projekte war somit gelegt. Damals waren sie etwa 12- und 13-jährig.

«Von Motoren und dergleichen hatten wir keine Ahnung», sagt Noan Zaugg. Sie begannen mit Holz, entwickelten aber bald ein Interesse an Metall und Pneumatik. «Wir bauten amateurhaft Dinge zusammen, probierten einfach aus, und nicht alles klappte», ergänzt Riaan Grov. Auf diese Weise hätten sie sich alles selbst beigebracht.

Ihr erster Go-Kart war noch relativ klein und hatte einen 212-Kubik-Motor. «Wir montierten aber einen Turbolader eines Fiat Uno daran, um ihn zu verstärken.» Da dieser ursprünglich zu einem 1200-Kubik-Motor gehörte, musste er jedoch zu einer Art «Budget-Turbo» gemacht werden, damit es funktionierte. Später kam eine hydraulische Lenkung hinzu. Dieses Fahrzeug befindet sich noch heute im Besitz der beiden Tüftler und dient in erster Linie als Versuchsesel.

An der grössten Tuningmesse

Mittlerweile zu einem guten Preis verkauft haben sie hingegen ihr zweites Projekt. Auf Basis eines Quads und eines leistungsstarken Töffmotors – den Quadmotor verbauten sie in den Versuchsesel – entstand vor etwa zwei Jahren ein schon deutlich grösserer Kart. «Das Teil war zu brutal für unsere Zwecke», gibt Riaan Grov schmunzelnd zu. Denn bislang fuhren sie vor allem auf der benachbarten Wiese am Dorfrand herum, die sie im Winter jeweils nutzen dürfen. Doch mit nicht viel mehr als einem Sitz, vier Rädern, aber einem 750-Kubik-Motor unter dem Hintern wird der Platz rasch knapp.

Darüber, dass sie das Gefährt verkaufen würden, waren sich die zwei Neftenbacher bald einig. «Wir wollten aber auch zeigen, was wir in unserem jungen Alter schon geschafft haben», sagt Noan Zaugg. Daraus sei die Idee entstanden, den Kart an einer Messe zu präsentieren. Auf gut Glück fragten sie die Tuning World Bodensee in Friedrichshafen an, ob ein Stand möglich wäre. Und die Verantwortlichen der grössten Tuningmesse Europas zeigten sich begeistert. «Eigentlich waren wir viel zu spät dran», so Noan Zaugg. In nur zwei Monaten mussten sie einen Stand planen und aufbauen sowie die Zollformalitäten für die Ein- und Ausfuhr des Karts organisieren. Doch sie hatten Glück. «Die Messeverantwortlichen freuten sich so sehr über uns und unser Projekt, dass sie die Kosten für den Stand selbst übernahmen.» Normalerweise müssen Aussteller dafür mehrere Tausend Euro berappen. «Und wir hatten sogar einen guten Platz in der Nähe des Eingangs», freut sich Riaan Grov.

Alles selbst finanziert

Tausende Euros wären für die Jugendlichen nur schwer aufzubringen gewesen. Denn seit ihren Anfangszeiten finanzieren sie ihr Hobby weitgehend selbst. Ihre Eltern seien immer sehr vorsichtig gewesen, hätten ihnen aber auch das nötige Vertrauen geschenkt, betonen sie. Erste Schweissererfahrungen machten sie unter Aufsicht von Erwachsenen in einer öffentlichen Werkstatt, obwohl sie eigentlich noch viel zu jung dafür waren. «Als wir aber schon mit ganzen eigenen Bauplänen ankamen, waren die Betreiber positiv überrascht», so Riaan Grov weiter.

Später legten sie sich günstige eigene Geräte zu und sorgten dadurch zeitweise dafür, dass die Stromrechnung zu Hause in die Höhe schoss. Auf Unterstützung aus ihrem Umfeld können sie trotzdem weiterhin zählen. So dürfen sie zum Beispiel die Garage von Noan Zauggs Grossvater gleich nebenan als Werkstatt nutzen.

Sorgfältige Planung

Unterstützung werden sie auch für ihr Nürburgringprojekt benötigen. Lagen die Kosten ihres ersten Karts noch im dreistelligen Bereich, verschlang der zweite bereits einen vierstelligen Betrag. «Der Nürburgringkart dürfte schnell fünfstellig werden», erklärt Noan Zaugg. Allein mit ihren Löhnen als Lernende könnten sie sich dies nicht leisten. Deshalb hoffen sie auf Hilfe von Firmen oder Privatpersonen aus der Region, die Interesse daran haben, zwei engagierte junge Tüftler aktiv zu fördern. Wie diese Hilfe aussehen könnte, lassen die beiden offen. «Wir sind um alles froh, das dazu beiträgt, unseren Traum zu verwirklichen», sagt Riaan Grov – sei dies finanziell, materiell oder durch Expertise.

Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Doch die Ambitionen sind hoch. Schon bei ihren früheren Karts entwickelten sie eigene Konstruktionen. «Doch nun wollen wir es noch systematischer und sorgfältiger angehen.» Heisst: Statt wie bisher auf Ausprobieren in alle Richtungen setzen sie nun auf mehr Professionalität. Bevor gewerkelt wird, machen sie genaue Berechnungen und erstellen exakte Baupläne in 3D. Noan Zaugg ist als Konstrukteur am richtigen Ort dafür. Die Programme, die er beruflich nutzt, ermöglichen die Durchführung von Simulationen. So können allfällige Schwachstellen schon vor dem Bauen erkannt und behoben werden. «Bei so einem Vorhaben muss alles von Anfang an sitzen», sagt er.

Ob sie sich dann am Ende auf dem Nürburgring auch selbst hinters Steuer ihres Karts wagen? Zumindest ausprobieren wolle er ihn schon, so Noan Zaugg. Riaan Grov ergänzt: «Um richtig schnelle Zeiten zu erzielen, brauchen wir dann aber wohl einen Rennfahrer.»

Unterstützung für zwei Tüftler


Gefällt Ihnen der Erfindergeist und das Engagement zweier Jungbastler aus der Region? Wollen Sie mehr über sie und ihr Projekt erfahren? Und sind Sie interessiert daran, den beiden finanziell, materiell oder auf andere Weise unter die Arme zu greifen? Dann besuchen Sie ihre Website (QR-Code scannen) und nehmen Sie direkt Kontakt mit ihnen auf. Riaan Grov und Noan Zaugg freuen sich über jede Form der Unterstützung. (msa)

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