Lars Mülli ist Direktor der GVZ.
Es sei nicht nur ein Feuerwehrprojekt, betonte Lars Mülli, Direktor der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ). Die neuen Brandhäuser im Ausbildungszentrum Andelfingen (AZA) seien ein Gewinn für verschiedenste Institutionen und ermöglichten ein vielfältiges Training.
Gebaut werden derzeit eine grosse Ausbildungshalle und eine siebenstöckige Hochhaussimulationsanlage. Beide Gebäude verfügen zudem über zwei unterirdische Geschosse. In den Gebäuden können Schulungen für Bauschaffende, Brandschutzbeauftragte, Feuerwehren oder Schätzerinnen und Schätzer der GVZ unter realitätsnahen Bedingungen durchgeführt werden. Am Dienstagabend fand das Aufrichtefest statt.
An reale Bedingungen angepasst
«Es ist ein Projekt, das über lange Zeit entstanden ist», sagte Lars Mülli im Innern der frisch erstellten und noch eingerüsteten Ausbildungshalle. Die alten Brandhäuser hätten unübersehbar das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Und der Bau von neuen Anlagen erfordere Geduld. «Das Thema Altlasten kostete viel Zeit und Geld.» Dass deshalb tief in den Boden gegraben werden musste, habe aber auch Vorteile. So sei der doppelgeschossige Brandkeller entstanden, der einer modernen Herausforderung für Feuerwehrleute entspreche. «In Zürich gibt es viele Häuser, die fünf oder gar sechs Stockwerke nach unten reichen. Nun können Einsätze unter Terrain in einem sicheren Umfeld trainiert werden.» Nachhaltigkeit sei ein zentrales Thema beim Bau gewesen. «Dank einer Rauchwaschanlage ist der Rauch, der aus dem Keller kommt, nicht schwarz, sondern ein fast durchsichtiges Lüftchen», so der GVZ-Direktor. Das verbaute Holz stamme aus der Schweiz, und die Betonelemente bestünden zu zwei Dritteln aus Recyclingbeton aus dem Kleinandelfinger Werk. Auf dem Dach der Ausbildungshalle befindet sich eine grosse Photovoltaikanlage, die hilft, die Anlage möglichst CO2-neutral zu betreiben.
Im Innern der Halle lassen sich unterschiedlichste Szenarien beüben. Da sie witterungsgeschützt ist, müssen zugehörige Aufbauten nicht nach jeder Trainingseinheit abgebaut werden, was den Ablauf von Schulungen vereinfacht.
Investition in Bevölkerungsschutz
«Der Kanton Zürich ist extrem angewiesen auf die Blaulichtorganisationen und den Zivilschutz», sagte Regierungsrat und Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) in seiner kurzen Ansprache. Der schwere Hagelsturm vor zwei Wochen habe allein über 500 Einsätze ausgelöst und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht. «Aber keine Angst, es gibt deshalb keine Prämienerhöhung», fügte er mit gewohntem Schalk an.
Die neuen Trainingshäuser seien eine wichtige Investition in den Bevölkerungsschutz, sagte er weiter und meinte damit vor allem auch das direkt an die Ausbildungshalle angrenzende Gebäude. Es bietet die komplette brandschutztechnische Einrichtung, die moderne Hochhäuser aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel ein brandfallgesteuerter Feuerwehrlift, eine Rauchschutzdruckanlage sowie eine Sprinkler- und Brandmeldeanlage. Dank der Anlage könnten Trainings durchgeführt werden, für die man bisher in reale Hochhäuser habe gehen müssen, sagte Lars Mülli. Zudem simuliere sie Einsatzsituationen in zunehmend verdichteter Bauweise.
Inbetriebnahme ab Anfang 2028
Die Installation des Aufrichtebäumchens symbolisiert, dass das Projekt bereits weit fortgeschritten ist. Noch sind die Bauten aber nicht vollendet. Läuft alles nach Plan, werden sie Mitte 2027 fertiggestellt. Anschliessend folgen Funktionalitätstests, die Prüfung der Sicherheitsaspekte und Vorbereitungen für den effektiven Betrieb. Ab Anfang 2028 soll die Anlage etappenweise für Ausbildungen und Trainings freigegeben werden.
Das AZA war schon mehrfach Thema im Fernsehen. Über die Buttons unten gelangen sie zu zwei Beispielen aus den Jahren 1973 und 1995.
Die Baukosten betragen rund 40 Millionen Franken. Im Brandkeller wurden fast 50'000 Schamottsteine verbaut (380 Tonnen). Die Gebäudefassade enthält 37'000 Nieten. Im Innern befinden sich 138 Notleuchten, 114 Brandmelder, 106 Lautsprecher und 13 Wandhydranten. Für die Lüftung wurden eineinhalb Kilometer Leitungskanäle verlegt. (msa)
Ein Hochhaus zum Üben