Andreas Buri, welche Aussichten bestehen für all die durstigen Felder?
A. B.: Wie gross der Schaden wird, hängt vom weiteren Wetter und von der Feldfrucht ab. Alle Landwirte warten nur noch auf Regen. Mir wäre er unterdessen sogar in Form heftigster Gewitter willkommen. Haupsache nass, wegen der Natur.
Sind alle Kulturen gleich stark betroffen?
Der Gemüsebau ist am stärksten auf Bewässerung angewiesen. Diese Sparte hat gerade den extremsten Stress und transportiert rund um die Uhr Wasser zu den Pflanzen. Das Jahr ist aber für alle Produkte ungewöhnlich. Die Getreideernte war Mitte Juli fertig, sonst beginnt sie erst um den 1. August. Den Viehhaltern machen die kümmerlichen Maisfelder grosse Sorgen – sie liefern das Hauptfutter für die Milchkühe und Fleischrinder. Wir auf dem Rebhof produzieren neben etwas Brotgetreide hauptsächlich Grassilage und Futtermais fürs Vieh. Die aktuell wachsenden Futtervorräte werden längst nicht bis zur Ernte im Oktober 2027 reichen.
Könnte viel Regen das Futter noch retten?
Nein, statt den vier bis fünf Grasschnitten wird es auf den dürren Wiesen bei zwei bleiben. Und hier, dieser Futtermais an der Südlage sollte jetzt drei Meter hoch stehen und Kolben haben. Er reicht mir gerade zur Hüfte, hat keine Kolben angesetzt und vor Trockenheit ganz eingerollte Blätter. Fürs Standardfutter wird die ganze Pflanze zerkleinert, doch die Körner liefern 50 Prozent des Gewichts und die Hauptnährstoffe. Ohne Kolben fehlt der Nährwert.
Heisst das, alle Viehhalter der Region werden Futter hinzukaufen?
Bestimmt die meisten. Ich bin froh, wenn wir bei Nachbarn und auf dem Markt Maiskörner hinzukaufen können. Bevor wir diesen Mais gesät haben, wuchs hier Gras für eine erste Silage. Bauern ohne eigenes Vieh machen das nicht, die säen den Mais schon ein paar Wochen früher und ernten nur die Körner. Der frühe Mais konnte sich noch vor der Hitze und Trockenheit gut entwickeln. Der Futterzukauf kostet uns mehr, aber ohne geht es nicht. Viel schlimmer wäre es, wenn die Wasserversorgung einbrechen würde. Das geht wirklich ans Lebendige. Jede Kuh braucht 150 Liter Wasser am Tag.
Ginge es dem Vieh auf einer Alp besser?
Leider nein, auch in den Bergen sind Weiden und Wiesen verdorrt und Bäche wegen der ausgebliebenen Schneeschmelze leer. Die ersten Sommeralpen wurden deswegen schon wieder geräumt. Für die Produzenten jener Molkereiprodukte, die nur Weide- und Frischgras und keine Silage füttern dürfen, ist die Lage bereits kritisch.
Gibt es Pflanzen, die nun besser gedeihen?
Wohl kaum, sogar das Unkraut zwischen dem Mais macht ja schlapp (lacht). Im Ernst, wenn der Regen auf Dauer und immer wieder ausbleiben wird, ändert sich in unserer Landschaft sehr vieles sehr schnell. Ich bin kein Forstexperte. Aber im Wald sind die Fichten schon weg, und nun gehen die Buchen eine um die andere ein. Beim Haus haben wir zwei Birken. Sie sehen aus wie sonst im Herbst.
Gibt es denn Lösungen oder wenigstens Handlungsansätze?
Wir Landwirte müssen jedes Jahr das Risiko zwischen maximalem Ertrag und grösstmöglicher Sicherheit abschätzen. Wir bekommen Beratung von landwirtschaftlichen Instituten wie dem Strickhof. Wenn die Forschung zeigt, dass Luzerne verglichen mit den bewährten Kleearten zwar kein ganz so tolles Futter, aber wesentlich dürreresistenter ist, werden wir das bei der Saatmischung einkalkulieren müssen. Der Massstab wird sein, welche Versuche sich in den letzten Jahren bewährt haben – auf dem eigenen und auf anderen Höfen. Wo es geht und nötig ist, werden wir gezielt mehr bewässern müssen. Und wir sollten uns auch in der Landwirtschaft jener Gegenden umsehen, die schon immer heiss und trocken waren.
Okay, doch zuerst kommt die Ernte 2026. Was ist zu erwarten?
Produkt für Produkt? Also, die Zuckerrüben könnten nach genug Regen neues Kraut bilden und sich erholen, doch die Kraft dafür nehmen sie aus der Wurzel, die hat dann weniger Zuckergehalt. Die Sonnenblumenkörner werden hoffentlich noch ausreifen, allerdings wird die Ernte kleiner als üblich. Die Kartoffeln sind ohnehin nur mit Bewässerung ertragreich, das Gemüse haben wir schon besprochen. Das Obst wie Äpfel und Birnen fällt ohne Bewässerung bald einmal ab. Den Reben gefällts so ganz ohne Pilzdruck und mit viel Sonne. Die Trauben sind aber schon so weit gediehen, dass sie notreif werden können und ohne Regen vor der Ernte sehr wenig Saft haben werden.
Und der Viehbestand bleibt, wie er ist?
Grünland erholt sich recht schnell. Wenn Ende Oktober das alte Futter ausgeht, wissen wir mehr. Vielleicht ersetzen wir nicht alle Schlachttiere. Einfach wirds nicht. Frankreich hat bereits den Futterexport gestoppt, weil die Nachfrage aus ganz Europa gross wird.
Was heisst das für die Konsumenten?
Die Dürre und Hitze werden zu grossen Schäden und Ernteeinbussen führen. Gleichzeitig steigen die Kosten für mehr Bewässerung, Futterzukauf, Tierarzt und so weiter. Das wird sich in unserer Buchhaltung stark niederschlagen. Eine Preiserhöhung auf Produzentenstufe wäre jetzt sehr willkommen. Leider sind die Marktmechanismen in der Schweiz so starr, dass diese nicht erfolgen wird. Die Konsumenten werden voraussichtlich beim Preis und Angebot nichts von der Dürre spüren, weil die fehlende Ware durch Import ersetzt wird.
«Einfach Wasser, egal welches»