Familie mit Erfindergeist

Marthalen - Aus dem Problem, dass Sohn Livio das Öffnen von Türen als Hobby ansah, wurde ein Familienprojekt. Jedes Mitglied brachte sich ein, bis die Lösung stand: die Schlüsselaufbewahrung «doorli».

Cornelia Meier (com) Publiziert: 21. August 2026
Lesezeit: 3 min

Wer selbst Kinder hat, dürfte das Problem kennen: Irgendwann lernen sie, Türen zu öffnen, und machen dies von diesem Moment an oft und gerne. Dass manche Türen dazu da sind, um die Privatsphäre zu schützen, interessiert sie dabei wenig. So ging es auch Familie Wyss mit dem damals einjährigen Sohn Livio. Türen zu öffnen, wurde zu seiner Lieblingsbeschäftigung – auch dann, wenn Besuch auf der Toilette sass. Den Schlüssel im Loch zu lassen, um jederzeit abschliessen zu können, kam jedoch nicht in Frage. Zu gross sei die Gefahr, dass sich Söhnchen Livio aus Versehen einschliesse, erzählte Patric Wyss. Eine Lösung musste her.

Dabei kam dem Primarlehrer aus Marthalen sein Hobby zu Hilfe. Beim Gleitschirmfliegen sichert er seine Fluginstrumente und auch sein Handy mit Skibillet-Zippern – einem Aufrollmechanismus mit Ausziehschnur, der typischerweise für Skibillette verwendet wurde. Wenn er im Flug etwas brauche, ziehe er es zu sich. Sobald er es wieder loslasse, ziehe sich die Schnur in das Gehäuse zurück. So sei der Gegenstand stets griffbereit und trotzdem gesichert. «Die Idee mit dem Zipper kam mir daher schnell.»

So entstand die erste Version von «Doorli»: ein Zipper mit Abdeckung, mit dem der Schlüssel in sicherer Entfernung aufbewahrt werden kann. Zur Benutzung muss man am Schlüssel ziehen, der an einer Ausziehschnur befestigt ist. Braucht man ihn nicht mehr, zieht er sich unter die Abdeckung zurück. Das habe gut funktioniert. So gut, dass die Schwester seiner Frau eines Tages begeistert vom Badezimmer zurückgekommen sei und vorgeschlagen habe, den Schlüsselhalter zu verkaufen.

Alles selbst gemacht

«Der erste Prototyp war einfach ein Kästchen mit Zipper.» Der gelernte Elektroniker tüftelte weiter und experimentierte mit Formen, Farben und Funktionen. Seine Frau habe ihm jeweils Feedback gegeben, das er wiederum einfliessen liess. Wichtig sei gewesen, das Produkt anklebbar zu machen, damit nicht gebohrt werden müsse. So sei aus der ursprünglichen Idee ein kleines Start-up geworden. Bis das fertige Produkt im Onlineshop verfügbar gewesen sei, sei etwa ein Jahr vergangen, erzählt Patric Wyss. «Ich habe oft gearbeitet, sobald Livio im Bett war.»

«Von der ersten Skizze bis zum Vermarkten des Produkts ist alles selbst gemacht.» Das sei nicht immer einfach gewesen. «Das habe ich echt unterschätzt.» Er habe etwa gelernt, eine Website einzurichten, ein Logo und eine Verpackung zu designen, wie man eine Marke gründe und was es brauche, um im eigenen Shop verschiedene Zahlungsarten wie etwa Twint anbieten zu können. «Dabei habe ich sehr viel gelernt.» Investiert habe er unter anderem in einen neuen 3D-Drucker, mit dem er die (noch) kleinen Serien des Produkts zu Hause und in guter Qualität drucken könne.

«Doorli Mini»

Inzwischen hat sich die Produktfamilie erweitert. «Doorli Mini», eine etwas kleinere Version, entwickelte Patric Wyss für die kleineren Fenster- und Balkontürschlüssel. Auch diese Idee sei eine Familiensache gewesen: «Meine Eltern bekamen neue Fenster und verlegten den Schlüssel dazu.» Inzwischen sei «Doorli Mini» an ihren Fenstern montiert – Schlüssel seien keine mehr verloren gegangen. Es gebe viele Orte, an denen Schlüssel sicher, aber trotzdem in der Nähe aufbewahrt werden müssten. Etwa in Kinderkrippen, für Demenzkranke in Pflegeheimen oder auch für sehbehinderte Personen im eigenen Haushalt.

Es sei schon immer sein Traum gewesen, eine kleine Erfindung selbst zu realisieren. «Doorli» sei ein richtiges Familienprojekt. Vom Problem über die Entwicklung bis zur Vermarktung habe jedes Mitglied seinen Teil geleistet. Auch Livio helfe gerne mit. Zusammen würden sie etwa bestellte Produkte verpacken und dann eine Velo- oder Töfflitour zum Volg machen, um das Paket zu versenden.