Es war ein Millionenprojekt – mit dem entsprechenden Risiko. Doch alles ging gut: Das Stück «1799 – zwischen den Fronten» kam beim Publikum hervorragend an, es gab keinen Unfall, und auch das Wetter war so gut, dass alle 15 Vorstellungen stattfinden konnten (AZ vom 15.7.2025). Bis auf die Premiere waren alle ausverkauft.
Das brachte Geld in die Kasse: einerseits durch die Eintritte, andererseits dank der gerne genutzten Festwirtschaft. Am Montagabend an der Generalversammlung präsentierte der Vorstand des für das Freilichtspiel gegründeten gleichnamigen Vereins im Aspensaal den Mitgliedern eine positive Zwischenabrechnung. «Es war ein risikobehaftetes Unterfangen, dessen Erfolg der Verdienst aller Beteiligten ist», sagte Co-Präsident Dominik Krebs.
«Irchelblick» wurde verkauft
In der Abrechnung sind bis auf wenige kleinere Beträge und die Steuern alle Kosten enthalten. Abweichungen gab es vor allem bei den Eintritten und den Einnahmen aus der Gastronomie – nach oben. Und auch der «Irchelblick», der als Festwirtschaft diente und vom Kantonalturnfest übernommen worden war, konnte weiterverkauft werden. Der neue Besitzer habe zum Zeitpunkt der Übergabe aber noch nicht gewusst, wie er das Gebäude verwenden werde, sagte Thomas Ganz, Vorstandsmitglied, Storyschreiber und Regisseur des Stücks.
Nicht einberechnet im Budget war eine Summe, die beim letzten Freilichtspiel noch kein Thema gewesen war: Kreditkartenkommissionen. Stolze 24'000 Franken musste der Verein abliefern. Angesichts eines verbleibenden Gewinns von 219'000 Franken aber verkraftbar.
Die 56 anwesenden Mitglieder des Vereins waren nicht nur zusammengekommen, um die Rechnung einstimmig anzunehmen, sondern wurden anschliessend aufgefordert, über die Gewinnverwendung zu befinden.
Wie bei vergangenen Freilichtspielen legen sie 220'000 Franken als Depot in die Hände der Gemeinde. Dieser Betrag ist unabhängig vom ausgewiesenen Gewinn. Wird das Geld nicht innerhalb von zehn Jahren für ein neues Freilichtspiel in der Gemeinde angefordert, hat diese den Auftrag, es an Vereine im Ort, vor allem Schauspielende, zu verteilen – mit Zustimmung der Gemeindeversammlung.
Geld für neuen Autor
Hinzu kommen neu weitere 30'000 Franken für einen nächsten Autor und/ oder Regisseur. Thomas Ganz hatte in allen vergangenen Stücken diese Aufgabe übernommen – seit 1989 insgesamt sechsmal. Angesichts seines Alters werde er das kein weiteres Mal leisten, erklärte er. Das wurde mit grossem Mehr ebenso angenommen wie ein geplanter Helfer- und Sponsorenanlass (35'000 Franken). Die Helfer des Buchemer Freilichtspiels werden zudem das Andelfinger Freilichtspiel «Nimmerland» inklusive Verpflegung besuchen, das im Sommer 2027 im AZA aufgeführt wird (40'000 Franken).
Aber die Mitglieder, die grösstenteils selbst mitgeholfen oder gespielt haben, denken nicht nur an sich. Im Rahmen der Sanierung der Desibachstrasse in den kommenden Jahren finanzieren sie mit 50'000 Franken ein Wartehäuschen an der Bushaltestelle. «Aufgrund der hohen Strassensanierungskosten und der Gesamtverschuldung sieht der Gemeinderat sich nicht in der Lage, dieses aus Gemeindemitteln zu bezahlen», sagte Präsident Dominik Krebs. 10'000 Franken stehen zudem für eine Familienfeuerstelle bereit. Nur die vorgeschlagene Gedenktafel am Schauspielort fand keine Mehrheit.
Mitglieder verteilten Geld
Über weitere 50'000 Franken entschieden die Anwesenden mittels Punktesystem: 13 Vereine, Projekte und Organisationen waren vorgeschlagen worden. Jedes Mitglied konnte fünf Punkte vergeben – alle für ein Projekt oder verteilt auf mehrere. Je mehr Punkte, desto mehr Geld fliesst.
Spitzenreiter waren die Buchemer Vereine, auf die nun gut 14'000 Franken verteilt werden. Und mit gut 8400 Franken darf sich der Vorstand des Vereins etwas leisten. Alle anderen vorgeschlagenen Vereine und Organisationen erhalten zwischen 360 und 5000 Franken. «Es macht Freude, das Geld zu verteilen», sagte Dominik Krebs.
Da diese Verteilung und die Organisation einiger Anlässe noch aussteht, wurde an diesem Abend auf die Auflösung des Vereins verzichtet und diese auf den Herbst 2027 festgesetzt. Die Auflösung war von Anfang an geplant, da es keinen toten Verein geben solle.
Wer in die Atmosphäre des Freilichtspiels eintauchen möchte, kann auf der Website Fotos anschauen oder für vier Wochen den Film darüber herunterladen (oder ihn jederzeit auf Youtube sehen).
Freilichtspiel sorgt für Geldregen