Hier entsteht vorerst Wiese

Region - Für den A4-Ausbau werden rund 500'000 Kubikmeter Erde verschoben. Ein Teil davon dient dazu, Landwirtschaftsland aufzuwerten. Das hat nicht nur Vorteile, wie eine betroffene Bäuerin sagt.

Manuel Sackmann (msa) Publiziert: 28. April 2026
Lesezeit: 3 min

Schlecht war der Boden nicht. «Nicht ganz gut», sagt Miriam Meier-Jucker. Ihr gehören die beiden Parzellen an der Flaacherstrasse ausgangs Andelfingen bis fast zum Abzweiger nach Alten. Die Hoheit über dieses Gebiet Erlen hat aber zurzeit nicht sie, sondern das Bundesamt für Strassen (Astra).

Mit dem Spatenstich vor elf Monaten hat der Ausbau der A4 begonnen. Engpassbeseitigung heisst der Fachausdruck. Bis Ende 2028 sollen auf dem 9,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Anschlüssen Kleinandelfingen und Winterthur-Nord die zusätzlichen zwei Spuren inklusive Pannenstreifen gebaut und die bestehenden zwei Spuren saniert sein. Bis auch die dritte Thurbrücke erstellt ist, wird es 2030, dieses Los wurde nun frisch ausgeschrieben. Für den Ausbau rechnet das Astra mit 360 Millionen Franken.

120 Landwirte betroffen

Gebaut wird aber nicht nur entlang der A4. Wo eine Strasse breiter wird, verschwindet Kulturland. Sechs Hektaren Fruchtfolgeflächen sind es bei der A4, betroffen sind 120 Landwirte. Die Fläche werde in der Region kompensiert, heisst es in den Unterlagen des Astra. Böden, die heute nur eingeschränkt fruchtbar sind, werden zu wertvollen Fruchtfolgeflächen aufgewertet.

Grundsätzlich bestehe die Pflicht, guten Boden wieder als Boden zu verwerten, sagt Jonas Hoehn von der Kommunikationsstelle des Astra auf Anfrage. Die guten Anteile des abgetragenen Bodens im Bereich des Trassees würden dazu genutzt, um an anderen Standorten die Böden aufzuwerten.

Zum Beispiel im Gebiet Erlen auf dem Land von Miriam Meier. Laut Astra wird dort auch ein Teil des Verlusts von Fruchtfolgefläche kompensiert, die durch die von Gemeinden erkämpfte Verschiebung von Lärmschutzwällen entsteht. Ihr Land sei uneben gewesen, und der Weizen sei unterschiedlich gewachsen, sagt Miriam Meier. Von grün bis gelblich sei darin alles vorgekommen.
 
Trotzdem wollte sie die Flächen eigentlich nicht hergeben. Ein kleiner Betrieb wie ihrer könne nicht einfach auf Hektaren vom Land verzichten. Weniger Fläche schränke die Fruchtfolge ihres Betriebs mit breitem Produkteanbau für den eigenen Hofladen ein. Kartoffeln kann sie erst nach vier Jahren wieder auf dem gleichen Stück setzen.

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Auch bei Dätwil, wo früher das Motocross Wyland stattfand, sind derzeit Bodenaufwertungsarbeiten im Gange. | Roland Spalinger

Erdmaterial wird beprobt

Dennoch sagte sie schliesslich zu. Vor wenigen Tagen war das Gebiet tief abgegraben, sodass das Astra zuerst 5500 Kubikmeter Aushub zuführte. Auch für diese Erde gebe es eine Verwertungspflicht, sagt Jonas Hoehn. Nun erfolgt auf dieser neuen Unterlage ein neuer Bodenaufbau. Dafür wird der vorher bestehende Ober- und Unterboden verwendet, sowie zusätzlich zugeführte 12'000 Kubikmeter Unterboden.

Bedenken bezüglich der Verschleppung von Neophyten sind laut Jonas Hoehn unbegründet. Alle Böden, die im A4-Trassee abgetragen und woanders eingebracht werden, würden während der Projektierungsphase kontrolliert. «Es werden nur unbelastete Böden und solche ohne Neophyten wie beispielsweise Erdmandelgras auf neue Landwirtschaftsflächen gebracht.»

Basierend auf dem aktuellen Baufortschritt rechnet das Astra damit, im Spätsommer Wiese ansäen zu können. Diese bleibt vier Jahre, bis der Boden verwurzelt ist. Danach kann Miriam Meier-Jucker wieder frei über ihr eigenes Land verfügen – in der Zwischenzeit wird sie nach definierten Ansätzen des Astra entschädigt.

In der Region sind laut Jonas Hoehn sieben grössere Aufwertungen geplant oder bereits in Ausführung. In diesen Aufwertungen würden insgesamt rund 120'000 Kubikmeter Aushub eingebracht, ebenso rund 65'000 Kubikmeter Unterboden und 10'000 Kubikmeter Oberboden aus dem Trasseebereich. Total werden im Zuge des A4-Ausbaus 500'000 Kubikmeter Erdreich verschoben.