Hunger lässt sie ruhig werden

Region - Die derzeitige Kälte setzt vielen Greifvögeln zu – erste ausgehungerte Tiere wurden bereits in die Greifvogelstation in Berg am Irchel eingeliefert. Sie in der Natur zu füttern, ist aber verboten.

Christina Schaffner (cs) Publiziert: 27. Januar 2026
Lesezeit: 2 min

Bei Kälte und Wind brauchen Greif­vögel viel Energie, um sich warm zu halten. Das Federkleid schützt zwar vor eisigen Temperaturen – weht aber der Wind hindurch, bläst er die Wärme fort. «Entscheidend ist der durchgängige Wind, der immer weht. Heftigere Windböen setzen zusätzlich zu», so Andi Lischke, Leiter der Greifvogelstation in Berg am Irchel. Zehn Stundenkilometer Dauerwind seien für die Tiere bereits sehr unangenehm, bei 20 Stundenkilometern hätten sie zu kämpfen. «Die Greifvögel müssen dann mehr Futter finden, um den Energieverlust auszugleichen.»
 
Deshalb konnten in den letzten Tagen viele Menschen in der frostigen Winterlandschaft ruhig sitzende Greifvögel beobachten – auf Bäumen, aber auch auf Pfosten entlang von Strassen. Sie flogen selbst dann nicht fort, wenn ein Auto dicht am Sitzplatz vorbeifuhr. «Um Energie zu sparen, versuchen sie, sich möglichst lange nicht zu bewegen», erklärt Andi Lischke.

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Dieser geschwächte Turmfalke wurde letzte Woche eingeliefert. | Paneco

Kraftlose Greifvögel

Rund 20 Hungervögel, vor allem Mäusebussarde und Turmfalken, wurden bisher in die Station eingeliefert. Die meisten von ihnen hatten kraftlos am Boden gesessen und konnten «eingesammelt» werden. Kommt zur Kälte noch eine geschlossene Schneedecke hinzu, wird es ganz prekär: Dann können Greifvögel ihr Futter, vor allem Mäuse, nicht mehr finden. «Nach drei Tagen Hunger schwindet nicht nur die Kraft, sondern auch die Muskelmasse», erklärt Andi Lischke. Dann brauchen sie Hilfe, um zu überleben. Aber Achtung: Es ist nicht erlaubt, Greifvögel zu füttern; das gilt auch für andere Wildtiere. Einzig Gartenvögel dürfen das im Handel erhältliche Futter bekommen.

Weniger betroffen von einem Wintereinbruch mit tiefen Temperaturen sind andere Greifvögel wie der Milan, der bei uns häufig anzutreffen ist. Denn Rotmilan wie auch Schwarzmilan ziehen weg, sobald sich die Bedingungen verschlechtern. Das machen viele Mäusebussarde und Turmfalken nicht oder versuchen es erst viel zu spät. Deshalb können sie derzeit nicht nur vermehrt beobachtet werden, sondern sind auch häufiger unfreiwillige Gäste in der Greifvogelstation. Sobald sie wieder zu Kräften gekommen und die Bedingungen gerade nicht ganz schlecht sind, dürfen sie wieder hinaus in die Freiheit. Für Andi Lischke ein schöner Moment, wenn sie sich wieder kraftvoll Richtung Himmel schwingen.