Rudolfingen ist nicht der erste und wird nicht der letzte Standort eines Volg-Ladens sein, den die Landi Weinland als Betreiberin aufgibt. Sie hätten in der Vergangenheit mehrfach kommuniziert, dass in den flächen- und umsatzmässig kleinsten der 19 Volg-Standorte keine weiteren grösseren Investitionen mehr vorgesehen seien, teilt das Unternehmen mit.
Eine solche Investition wäre nun in Rudolfingen nötig. Ein irreparabler Defekt an der Anlage im Kühlraum, nicht an den Kühlvitrinen, besiegelt daher das Ende des Ladens einen Tag vor dem Nationalfeiertag. Bis zur Schliessung behelfen sich die Verantwortlichen mit einem Kühlwagen hinter dem Volg. Sie hätten aufgrund der Temperaturen schnell reagieren müssen, schreibt die Landi.
Man hat es gewusst
Über die Schliessung des Ladens informiert ein Schreiben an der Kasse. «Das Dorf ist geschockt», meinte am Montag eine Frau. «Man hat es gewusst», sagt Judith Waser (Bild unten). Sie hätten einfach gehofft, dass nichts Grösseres kaputtgehe.
Sie war viele Jahre die treibende Kraft hinter der Kürbisbeleuchtung. Der Anlass machte Rudolfingen über die Landesgrenze hinaus bekannt und brachte Geld in die Kasse des Dorfladenvereins. Vor allem aber waren die Betreiberinnen und Betreiber von Beizli und Essensständen angehalten, ihre Lebensmittel im Laden einzukaufen und dadurch für Umsatz zu sorgen.
Nach 22 Ausgaben war 2019 Schluss mit dem Anlass, der immer grösser geworden war. Der Verein bestand jedoch weiter. Die Landi lobt das grosse Engagement der Filialleiterin und deren Team, das Wirken des Dorfladenvereins Rudolfingen sowie die finanzielle Unterstützung der Gemeinde Trüllikon. Nur dank Engagement und Solidarität habe die Schliessung «hinausgezögert werden» können, heisst es in der Mitteilung.
Umsatz ging zurück
Aber trotz diverser Massnahmen sei der Umsatz das zweite Jahr in Folge massiv zurückgegangen, heisst es weiter. Und nun, in der heissesten Zeit, versetzt die Kühlanlage dem Laden den Todesstoss. Die nötige grössere Investition sowie der Sanierungsbedarf am Gebäude hätten dazu geführt, einen Punkt machen zu müssen, sagt Geschäftsführer Lukas Landolt. Pläne für das Gebäude habe die Landi noch keine, allen Mitarbeitenden würden Weiterbeschäftigungen innerhalb der Landi Weinland angeboten.
Trotz allem Verständnis für die Situation bedauert Judith Waser das «sehr, sehr kurzfristige» Ende. «Es tut weh.» Der Pro-Kopf-Umsatz sei gar nicht so tief gewesen, sagt sie. Rudolfingen habe aber keinen Durchgangsverkehr. Was gut fürs Dorf ist, ist auf der anderen Seite nachteilig für den Laden. Sie wird diesen als nahe Einkaufsmöglichkeit und Treffpunkt vermissen, aber auch als Erfahrung für die Kinder im Dorf, allein Besorgungen machen zu können.
Rudolfingen ist der aktuell kleinste Laden der Landi Weinland. Jene in Alten, Gütighausen und Truttikon waren noch kleiner.
Judith Waser: «Es tut weh»