Nachts ist die Gefahr am grössten

Andelfingen - Elektrogeräte, Kerzen, Haustiere – die Auslöser für Brände sind vielfältig. Ivo Stolz von der Firma K.A.B. Brandschutz erklärte dem Team der AZ, wie man auf welches Ereignis reagieren soll.

Cornelia Meier (com) Publiziert: 19. Mai 2026
Lesezeit: 5 min

Wissen Sie, was zu tun ist, wenn es brennt? Wie Ivo Stolz, Schulungsleiter bei der Firma K.A.B. erklärte, ist das Gefährlichste an einem Brand nicht das Feuer, sondern der Rauch. 80 Prozent aller Brandopfer würden an den giftigen Rauchgasen ersticken. Deshalb gelte: «Nicht durch Rauch gehen.» Zwei bis drei Atemzüge würden ausreichen, um in eine tiefe Bewusstlosigkeit zu fallen oder gar zu sterben – auch wenn das Feuer einen gar nie direkt erreiche.

Versperrt Rauch den Fluchtweg – gerade in Korridoren oder Treppenhäusern sei dies schnell möglich – empfiehlt der Experte: Zurück ins Zimmer oder in die Wohnung, die Tür schlies­sen und wenn möglich mit Kleidung oder Decken etwas abdichten, das Fenster öffnen, um Hilfe rufen und auf die Feuerwehr warten. Nach der Alarmierung dauere es in der Schweiz maximal zehn Minuten, bis die Feuerwehr eintreffe. Dann könne man aus dem Fenster gerettet werden, erklärte Ivo Stolz an der Brandschutzschulung, die das Team der «Andelfinger Zeitung» in den Räumlichkeiten der ehemaligen Druckerei in Andelfingen absolvierte. Müsse man durch Rauch flüchten, sei es wichtig, gebückt zu gehen und die Luft anzuhalten.

Überlastete Steckerleisten

27 Prozent aller Brandfälle entstünden durch Elektrogeräte. Entweder durch das Gerät selbst oder durch eine überlastete Steckdose. «Eine übliche Steckerleiste kann maximal 2300 oder 2500 Watt Leistung erbringen.» Hängt an einer Steckerleiste ein Föhn, der mit 2000 Watt betrieben wird, können an dieser Leiste nur noch Geräte angeschlossen werden, die zusammen sehr wenig verbrauchen. Das reicht für einen Rasierer oder ein Ladegerät, aber nicht mehr für einen Wasserkocher.

Steckerleisten mit Überlastschutz wären eine einfache Lösung. Aus Unwissenheit und wegen des höheren Preises werden diese jedoch wenig gekauft. Eine weitere Gefahr bei Geräten sind Akkubrände. In diesem Fall muss der Raum sofort verlassen werden. Die austretenden Gase sind hochgiftig. Beim Alarmieren der Feuerwehr soll auf den Akku hingewiesen werden, denn dabei entsteht eine extreme Hitze, sodass sich der Brand nicht einfach löschen lässt.

Besonders beschädigte Akkus können sich entzünden. Bei Handys sei das schnell passiert, wenn man das Gerät im Hosensack trage und sich da­mit hinsetze. Doch: «Moderne Akkus sind nur noch schwer in Brand zu setzen», beruhigte Ivo Stolz. Er muss es wissen – Teil seines Berufsalltags ist es, versuchsweise Dinge in Brand zu stecken und wieder zu löschen. Trotzdem rät er, gerade E-Bike-Akkus entweder unter Aufsicht zu laden, also tagsüber, oder spezielle Ladeboxen mit integriertem Löschgranulat zu verwenden.

Damit kein Feuer entsteht
  • Steckerleisten nicht überbeanspruchen oder Modelle mit Überlastschutz kaufen.
  • Defekte Kabel entsorgen und auf Billig-Ladekabel verzichten.
  • Rauchmelder dort installieren, wo man sich oft aufhält. In Häusern zusätzlich im Treppenhaus.
  • Fahrzeugakkus in speziellen Ladeboxen laden und aufbewahren.
  • Akkus von nicht benutzten Geräten entfernen. Geblähte Akkus korrekt entsorgen.
  • Batterien, Akkus und Einweg-E-Zigaretten nicht in den Abfall werfen. Die Versicherung würde bei einem Schaden nicht zahlen.
  • Sprays wie Deo und Haarspray vor Sonne schützen und im Sommer nicht im Auto lassen. (com)

Das Feuerdreieck

Wie löscht man ein Feuer? Indem man ihm eine der drei «Zutaten» entziehe, erklärte Ivo Stolz. Feuer braucht Sauerstoff, Wärme und einen Brennstoff. Zum Löschen gilt daher entweder ersticken, kühlen oder entfernen (den Brennstoff). Ersticken lassen sich vor allem kleine Brände mit einer Löschdecke. Sie sollte im Idealfall in der Nähe der Küche aufbewahrt werden, denn Ölbrände beim Kochen sind häufig und gefährlich. Dasselbe gilt für Wachsbrände. Beide dürfen nicht mit Wasser gelöscht werden – es würde alles nur verschlimmern.

Zur Vorsicht mahnte Ivo Stolz beim Kauf von Billig-Löschdecken. Sie böten wegen zu dünnem Material und zu kleiner Grösse kaum Schutz. Zudem solle man keine Decken, Kissen oder Kleidung verwenden, weil sie heute oft nicht mehr aus Baumwolle seien. Die Synthetik-Stoffe wie Polyester können schmelzen und dadurch schwere Verletzungen hervorrufen. Gekühlt wird das Feuer klassischerweise mit Wasser oder mit einem Feuerlöscher. Letzterer wirkt je nach Typ auch erstickend. Das Entfernen passiert klassischerweise bei Gas, etwa bei einem Grillbrand. Wird das Gas abgedreht, kann es nicht mehr brennen. Zudem sei brennendes, dafür sichtbares Gas sicherer als gelöschtes, das unsichtbar ausströme

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Der Grund, wieso Schweizer Gasflaschen nicht an deutsche Leitungen (oder umgekehrt) gehören: Das Deutsche Ventil (rechts) hat eine andere Form als das Schweizer (links). Die Leitung kann so nicht dicht mit der Gasflasche verbunden werden. | Cornelia Meier

Löschen als Teamarbeit

Damit das Team der «Andelfinger Zeitung» weiss, was wie gelöscht werden kann, hatte Ivo Stolz einige Brandherde und Löschmaterialien mitgebracht. Er zeigte eindrücklich, wie schnell ein Feuer eskalieren kann, aber auch wie schnell es erlischt, wenn man mit dem richtigen Löschwerkzeug an der Wurzel beginnt. Trotzdem konnte ein Gasfeuer auch mit vereinten Kräften von vier Personen mit Feuerlöschern nicht gebändigt werden. Erst als Ivo Stolz eine Pause einberief, wurde klar: Das Gas abzudrehen hätte das Feuer innert kürzester Zeit gelöscht.

Zu den weiteren häufigen Brandursachen gehören laut dem Feuerwehrmann Unfälle mit Kerzen, Zigaretten und selbst gebauten Feuerwerkskörpern. Aber auch heisse Asche, die in einem Grüncontainer entsorgt werde, oder Haustiere, die über Herdplatten laufen und ihn dabei einschalten würden. Und das meist zu einer Zeit, in der wir schlafen und unsere Sinne nur reduziert funktionieren: nachts zwischen zwei und fünf Uhr.

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Der CO2-Feuerlöscher eignet sich besonders zum Löschen von empfindlichen elektrischen Geräten. Das Rohr wird extrem kalt, weswegen es beim Löschen nicht angefasst werden darf. In kleinen Räumen entsteht Erstickungsgefahr, daher besser ausserhalb des Raumes stehen, um zu löschen.

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Von weitem beginnend, soll die Löschflüssigkeit direkt in die Wurzel des Feuers gesprüht werden. Ein Flächenbrand wird von einem Weg gelöscht, eine Wand von unten nach oben.

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Ivo Stolz zeigte eindrücklich, was passiert, wenn man versucht, einen Wachsbrand mit Wasser zu löschen.

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Mit der Löschdecke konnte Julia Akeret den Wachsbrand hingegen schnell unter Kontrolle bringen. In jeder Küche sollte deshalb eine Löschdecke hängen.

Brandmelder in wichtigen Räumen

Damit man im Fall eines Brandes wach wird, empfiehlt der Brandschutzexperte die Installation von Brandmeldern in jedem Raum, in dem man sich oft aufhält. Damit sie zuverlässig funktionieren würden, sei ein regelmässiges Auswechseln nötig. Neben den Batterien würde auch der Sensor mit der Zeit schwächer werden.

Auch wenn man einen Brand selbst habe löschen können, solle die Feuerwehr alarmiert werden. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig, sagte Ivo Stolz. Übrigens muss die Feuerwehr auch Haustiere retten. Es sei daher sinnvoll, einen Kleber an der Haustür oder am Briefkasten anzubringen, der die Rettungskräfte über die Anzahl und die Namen der Tiere informiere.

Verhalten im Notfall

Sie entdecken einen Brand. Was ist zu tun?

  • Sich in Sicherheit bringen
  • Alarmieren
  • Retten (Tiere und Menschen)
  • Fenster und Türen schliessen, niemals den Lift benützen
  • Falls möglich, Brand bekämpfen


Bei einem Akkubrand: Raum sofort verlassen (giftig!)

 

Alarmieren:

  • Feuerwehr 118
  • Sanität 144
  • Polizei 117
  • Tox-Zentrum 145
  • Euro-Notruf 112