Was die Stadt Zürich hat, soll auch im Kanton gelten: Ende September sagte das städtische Stimmvolk mit Zweidrittelsmehrheit Ja zum VBZ-Abo für 365 statt 813 Franken. Im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) umfassen die Städte Zürich und Winterthur je zwei Tarifzonen. Im Weinland sind es total sechs Zonen, Ausseramt (116), Marthalen (115), Flaachtal (124), Andelfingen/Ossingen (161), Stammheim (162) und Henggart/Hettlingen (160).
«Die Stadtzürcher Regelung soll für den gesamten Kanton Zürich ausgerollt werden», verlangen nun drei SP-Vertretungen im Kantonsrat. Sprich: Zwei ZVV-Zonen sollen für alle 365 (Kinder und Jugendliche 185) Franken kosten. «Mit dieser Motion soll gezielt die Mobilität mit dem öffentlichen Verkehr vergünstigt werden», heisst es in der Begründung. Tragen sollen den Mehraufwand hälftig Kanton und Gemeinden.
Neue Linien und Ideen
Von der gleichen Ratsseite, unterstützt von AL, EVP und den Grünen, kommen zwei Postulate mit «ÖV-Offensive» im Titel. Gefordert werden neue Linien und Ideen explizit in nicht-urbanen Räumen. «Wo es kein Angebot gibt, nutzt auch niemand den öffentlichen Verkehr», heisst es in einer der Begründungen.
Die Regierung solle ein Umsetzungsprogramm vorlegen, das der Angebotsverordnung entspreche. Gemäss dieser müssten Ortschaften mit mehr als 300 Einwohnenden erschlossen sein, was «leider nicht im ganzen Kanton gegeben» sei. Im Weinland trifft dies zum Beispiel auf Alten zu. Der Kleinandelfinger Dorfteil hat keinen ÖV-Anschluss, worauf die Gemeinde seit Jahren vergeblich hinweist. Der Vorstoss verlangt mindestens zwölf Kurse pro Tag und Richtung.
Neue Motivation
Für Linda Mathis (FDP, Bild), Gemeinderätin in Kleinandelfingen, kommen die Vorstösse zur richtigen Zeit und zielen in die richtige Richtung. Ausbauten hätten in letzter Zeit dort stattgefunden, wo bereits ein Angebot vorhanden sei. Neuerschliessungen seien ausgeblieben, trotz Bemühungen in ihrer Gemeinde – zum Beispiel durch die Arbeitsgruppe Klafi mobil.
Auch wenn diese nicht mehr existiert, hat sie die Hoffnung auf eine Erschliessung von Alten und eine bessere Anbindung von Oerlingen noch nicht aufgegeben. Die Vorstösse sieht sie als Motivation, 2026 persönlich dranzubleiben. Sie ist überzeugt, dass für das Weinland regional gedacht werden muss, und sieht eine Lösung in diese Richtung nicht nur lokal. Neben Alten seien Ellikon am Rhein sowie das Andelfinger Industriegebiet gänzlich, und das Gebiet Bad in Kleinandelfingen mit Einkaufsmöglichkeiten sowie die Thurauen bloss einseitig angebunden.
In ihrem Vorstoss erwähnen Felix Hoesch (SP, Zürich), Theres Agosti (SP, Turbenthal) und Manuel Sahli (AL, Winterthur) Ruftaxis, die dank digitaler Weiterentwicklung ganz neue Möglichkeiten böten, «die es auch bei uns auszuprobieren gilt». Linda Mathis hat diesbezüglich die Fühler zu My Buxi ausgestreckt, einer App-Lösung für Fahrten auf Verlangen. Ein Nachteil sind die zusätzlichen Kosten, weil das Angebot nicht Teil des ZVV ist.
Begehren einfacher berücksichtigen
Mit einem anderen Postulat regen vier Kantonsräte von AL, EVP, den Grünen und der SP die schnelle und unkomplizierte Realisierung von neuen Linien an. Vor allem von Buslinien, da diese «am wenigsten Infrastruktur benötigen und damit am schnellsten realisierbar» seien. Zu betrachten seien Aspekte wie: «Die Begehren von Gemeinden und Interessengruppen sind einfacher zu berücksichtigen», und für die verlangte Wirtschaftlichkeit seien längere Fristen zu gewähren.
Und sie plädieren für vorausschauendes Planen. Neue Linien sollten schon bei geplanten Überbauungen und Gebietserschliessungen Thema und vor Bezug vorhanden sein. Menschen würden sonst ihr Mobilitätsverhalten neu organisieren. Durch einen schnellen Ausbau könnten die Vorteile des öffentlichen Verkehrs besser zur Geltung kommen und noch mehr Menschen vom privaten Auto umsteigen, schreiben die Postulanten weiter.
«ÖV-Offensive» von Links lässt nicht nur Alten hoffen