«Pöstli» Adlikon bleibt im Besitz der Gemeinde

Andelfingen - Mit 884 Ja zu 749 Nein hat das Stimmvolk die Einzelinitiative «Liegenschaft Post Adlikon im Baurecht» angenommen. Ein Verkauf wie vom Gemeinderat geplant ist somit vom Tisch. Klar ist die Zukunft des Areals damit aber nicht.

Roland Spalinger (spa) Publiziert: 10. März 2026
Lesezeit: 2 min

Auf eine Wette im Vorfeld hätte sich Jost Meier nicht eingelassen. Natürlich sei er «vorsichtig optimistisch» gewesen, was den Ausgang seiner Initiative angeht, sagt der Adliker. Andererseits sei es schwierig, den Grundtenor einzuschätzen. Man bekomme ja eher die Stimmen jener zu hören, die ähnlich denken würden.

Nun ist klar, wie Andelfingen denkt: Das Stimmvolk hat sich am Sonntag abermals dafür ausgesprochen, eine Gemeindeparzelle zu behalten. Zur Erinnerung: An der Gemeindeversammlung im Herbst war der Verkauf der Liegenschaft Einhorn in Humlikon abgelehnt worden. Und nun ist es das «Pöstli» in Adlikon, der anderen Aus­senwacht, die seit 2023 zu Andelfingen gehört, das nicht verkauft werden soll.

Genau das hatte der Gemeinderat vor und einen Investorenwettbewerb aufgegeleist. Aus seiner Sicht «verlangt allein schon die zentrale und sensible Lage nach einer ortsgerechten und qualitätsvollen Bebauung des Grundstücks», begründete er im beleuchtenden Bericht das Vorgehen und seine ablehnende Haltung zur Einzelinitiative. Diese verfolge zwar «hehre Ziele», schwäche aber den Finanzhaushalt der Gemeinde. Die Verschuldung von heute 8 Millionen Franken steige angesichts der geplanten Investitionen auf 23,5 Millionen. Auch die RPK hatte ein Nein empfohlen.

140 Stimmen Unterschied

884 Ja stehen 749 Nein gegenüber, die Stimmbeteiligung betrug 65 Prozent. Es wurde knapp, sagt Jost Meier. Mit dem Resultat sei er aber sehr zufrieden. Es brauche viel, um gegen eine Vorlage des Gemeinderats anzutreten und zu überzeugen, meint er.

Ein Investorenwettbewerb bleibe weiterhin möglich, unter Berücksichtigung der drei weiteren Punkte seiner Initiative: bezahlbare Mieten, Begegnungsraum, altersgerechtes Wohnen. Das sieht auch Gemeindepräsident Hansruedi Jucker so. In der fast pfannenfertigen Wettbewerbsausschreibung sei dies enthalten. Und die Prämisse günstiger Wohnraum könne mit dem Baurecht erfüllt werden.

Jost Meier glaubt, dass diese Einschränkung Baurecht die Anzahl interessierter Investoren reduziert.

Kein Nachteil für Genossenschaft

Für die Genossenschaft «Pöstli» Adlikon, die das seit Anfang 2023 geschlossene Lokal übernehmen und schnellstmöglich wiedereröffnen möchte, ist das Abstimmungsresultat kein Nachteil. Sie könnten mit beiden Varianten leben, hatte deren Präsident, Samuel Krebs, an Infoveranstaltungen zur Initiative gesagt (AZ vom 6.2.2026). Jost Meier ist nicht Genossenschafter.

Was das Resultat nun genau bewirkt? Jost Meier erwartet vom Andelfinger Gemeinderat in alter und neuer Besetzung, dass er dranbleibt und vorwärtsmacht. Sie seien parat, sagt Hansruedi Jucker. Wenn sich die aktuelle Behörde einige, könne die Ausschreibung sogar bald erfolgen. Zeit dafür hätten sie gemäss Initiativrecht 18 Monate, also bis September 2027.