Der Dominoeffekt spielt mit. Übertragen auf den Tarifzonenplan des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) sind es 33 Steine. Ins Rollen bringen wollten diese Sibylle Jüttner (SP, Andelfingen), Konrad Langhart (Mitte, Stammheim) und Paul Mayer (SVP, Marthalen). Die drei (von vier) Weinländer Vertretungen im Kantonsrat forderten 2022 mit einem Postulat, die Anzahl Tarifzonen im Bezirk Andelfingen von sechs auf drei zu halbieren sowie ein Weinlandticket einzuführen.
Ersteres sollte den ÖV im Weinland – laut den Petenten unverhältnismässig teuer und mit schlechten Verbindungen – attraktiver machen. Zweites sollte günstigere Fahrten zum Rheinfall ermöglichen, was «im Interesse des ganzen Kantons» wäre, meinte Sibylle Jüttner (AZ vom 16.12.2022).
Im Rat kam das Begehren an und wurde im März 2024 mit 110 Stimmen überwiesen. Zwei Jahre später liegt die Antwort des Regierungsrats vor. Er ist dagegen und beantragt dem Kantonsrat, das Postulat als erledigt abzuschreiben. Die Halbierung der Zonen würde «das fein aufeinander abgestimmt Tarifsystem des ZVV erheblich beeinträchtigen», lautet sein Fazit. Und sie könnte Forderungen in anderen Regionen auslösen, so die Befürchtung.
Zwei Varianten angeschaut
Leicht hat es sich der Regierungsrat nicht gemacht. Er erklärt, dass eine Tarifzone in der Regel rund vier Gemeinden und einen Radius von vier Kilometern umfasst. Auch die Zonen im Weinland würden dem entsprechen und seien «nicht atypisch».
Dann wird er konkret und fasst die Zonen 115 und 116, 124 und 160 sowie 161 und 162 zusammen. Damit wäre die im Postulat geforderte Reduktion erfüllt, und auch die erwähnte Beispielverbindung von Buch am Irchel nach Rheinau, für die fünf Zonen nötig sind, würde tariflich profitieren. Jedoch hätte ein erheblicher Teil der Bevölkerung im Weinland «keinen unmittelbaren Nutzen». Insbesondere die Preise von Andelfingen und Marthalen in Richtung Winterthur wären unverändert.
Schliesslich zieht der Regierungsrat die Grenzen neu (Grafik unten) und hängt dieser Variante ein Preisschild um. Eine Zone umfasst die nördlichen Gemeinden ab Marthalen und Trüllikon (115), die zweite die östlichen Gemeinden Ossingen, Truttikon und Stammheim (161). In der dritten Zone wäre das Gebiet von Kleinandelfingen südwärts einschliesslich des Flaachtals (160).
Mit dieser Variante würden Passagiere aus den Gemeinden ab Dachsen, Marthalen, Ossingen und Stammheim bis zur Zone Winterthur neu nur noch zwei Zonen durchfahren; aus dem Gebiet Kleinandelfingen und südlich davon sogar nur noch eine. Erwartete Mindereinnahmen: 1 Million Franken im ZVV-Tarif und – zusätzlich – 1,3 Millionen Franken Ertragsausfälle beim Tarifverbund Z-Pass. Es würden also «insbesondere» die Fahrgäste aus Schaffhausen in Richtung Winterthur und Flughafen profitieren, «faktisch auf Kosten der Zürcher Steuerzahlenden»
Profiteure ausserhalb des Kantons
Die Reduktion hätte auch noch andere Folgen, zeigt der Regierungsrat auf. Sinkende Erträge würden den Kostendeckungsgrad der Linien im Weinland verschlechtern. Damit gerieten sie bei künftigen Angebotsüberprüfungen stärker unter Druck. Im schlimmsten Fall, wenn sich «ein Angebotsabbau aufdrängt», könnte das Angebot sogar ausgedünnt werden. Kurzum: Der erwartete Nutzen steht in keinem angemessenen Verhältnis zu den möglichen Folgen.
Für die Einführung eines Weinlandtickets besteht laut Regierungsrat keine Grundlage. Im ZVV-Tarif gebe es keine vergleichbaren Angebote für andere Regionen. Als letzte wurde im Dezember 2025 die Albis-Tageskarte aufgehoben – also noch während der Regierungsrat den Bericht zum Postulat ausarbeitete.
Regierung bremst Weinland-Pläne für günstigeren ÖV aus