Die Munot Dixie Stompers sorgten vor der Dorfkapelle für musikalische Unterhaltung.
Wenn mehr als ein Drittel eines Dorfes mithilft, um gemeinsam ein Fest auf die Beine zu stellen, lässt sich bereits erahnen, welche Dimensionen ein solcher Anlass annehmen kann. In Dachsen waren am Wochenende mehrere Hundert Einwohnerinnen und Einwohner im Einsatz, um das 1150-jährige Bestehen ihrer Gemeinde zu feiern. Und offenbar mit Erfolg: Rund 12'000 Besucherinnen und Besucher seien von Freitag bis Sonntag gekommen, schreibt das Organisationskomitee. Die eigenen Erwartungen seien damit deutlich übertroffen worden.
Mit einer symbolischen Eröffnung gaben OK-Präsident Beat Weingartner und Gemeindepräsident Urs Schweizer am Freitagabend den Startschuss für die dreitägigen Feierlichkeiten. Im Dorfkern erstreckte sich die Festmeile über 300 Meter. Rund 30 Dorfvereine sowie weitere Dachsemerinnen und Dachsemer betrieben Festwirtschaften und Marktstände. Bis weit in die Nacht seien diese gut besucht gewesen, hält das OK in seiner Bilanz fest.
Ein Wiedersehen nach vielen Jahren
Weite Wege nahmen am Samstagmorgen einige ehemalige Schülerinnen und Schüler auf sich, um alte Bekannte wiederzusehen. Unter anderem aus Hongkong und Kanada waren sie angereist. Anlass war die grosse Klassenzusammenkunft, zu der mehr als 500 Schülerinnen und Schüler sowie heutige und frühere Lehrpersonen in die Mehrzweckhalle kamen. Zu den ältesten Teilnehmern gehörte Koni Eggli, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feierte. Gleichzeitig war er der älteste Helfer des Dorffestes und stand beim Öpfelchüechlistand des Männerturnvereins im Einsatz.
Mit dem Festbild, das bereits an der 1100-Jahr-Feier von 1976 die Kulisse gebildet hatte, war in der Mehrzweckhalle zudem ein Stück Jubiläumsgeschichte zu sehen.
Am Mittag rückte beim offiziellen Festakt die Geschichte der Gemeinde in den Mittelpunkt. 80 Ehrengäste waren dazu eingeladen worden, darunter die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli, der Schaffhauser Regierungsrat Dino Tamagni und der Schaffhauser Stadtpräsident Peter Neukomm.
Nathalie Rickli nahm in ihrer Festrede vor allem die Geschichte und den Eigensinn der Gemeinde aufs Korn. So erinnerte sie daran, dass die Dachsemer Bauern einst keine Steuern bezahlten, wenn ihnen die Obrigkeit nicht passte. Dies sei keineswegs als Aufforderung für die Gegenwart zu verstehen, fügte sie schmunzelnd an.
Dass Dachsen heute auf 1150 Jahre zurückblicken könne, sei kein Zufall, sagte sie. Dafür brauche es «einen starken Zusammenhalt, eine gesunde Portion Sturheit im positiven Sinn und unzählige Freiwillige in den Vereinen».
Für einen hörbaren Bezug zur Vergangenheit sorgte Gemeindepräsident Urs Schweizer: Er liess die kürzlich wieder aufgefundene ehemalige Weibelglocke erklingen. In seiner Ansprache griff er zudem das Jubiläumsmotto «… mir sind Dachse» auf. Es stehe für Stolz, Selbstbewusstsein und Zusammenhalt, zugleich aber auch für Offenheit. Bei allen Entwicklungen der Gemeinde bleibe eines zentral: der Mensch.
Märchen, Musik und volle Beizen
Das Jubiläum zeigte sich auch in vielen Details im Dorf. So waren die Brunnen im Vorfeld von Schulklassen gestaltet worden, die sich dafür von verschiedenen Märchen rund um den Rheinfall hatten inspirieren lassen. Musikalische und sportliche Akzente setzten unter anderem die Musikschule Weinland Nord und Satus Dachsen mit Rope Skipping.
Mit den Abendstunden verlagerte sich das Geschehen zunehmend in die Festwirtschaften und Bars. Trotz des regen Betriebs fällt die Bilanz des Organisationskomitees positiv aus. «Wir sind sehr froh und danken allen, dass wir keine Zwischenfälle zu beklagen hatten», wird OK-Präsident Beat Weingartner zitiert.
Von einem Auslaufen des Festes konnte auch am Sonntag keine Rede sein. Bereits um 10 Uhr war der Festplatz wieder hergerichtet, ehe die Bettagsfeier und das Frühschoppenkonzert der Musikgesellschaft Rheinau weitere Akzente setzten. Die Festwirtschaften und Marktstände waren nochmals stark gefordert.
Mit dem Ende des Festwochenendes ist das Jubiläumsjahr noch nicht abgeschlossen. Bis Ende November sind in der Dorfkapelle zwei weitere Kunstausstellungen zu sehen. Ausserdem folgen die zweite Etappe des Rundgangs um Dachsen sowie ein Vortrag mit Besuch im «Zukunftswald». Den Schlusspunkt setzt im Dezember ein Konzert in der Kirche Laufen.
12'000 Gäste feiern 1150 Jahre