Ein Wiedersehen im Kindergarten Haldenstrasse

Feuerthalen - Der sanierte Kindergarten Haldenstrasse und das Zentrum Spilbrett standen am Samstag allen Interessierten offen. Im Kindergarten begegneten ehemalige Kindergartenkinder ihren Erinnerungen – und den Räumen von heute.

Stefanie Tumler (st) Publiziert: 29. September 2026
Lesezeit: 3 min

Für einmal waren es im Kindergarten Haldenstrasse die Erwachsenen, die von ihrer Zeit dort erzählten. Am Samstag stand das sanierte Gebäude der Bevölkerung offen. Unter den Besucherinnen und Besuchern waren mehrere ehemalige Kindergartenkinder, die bei der Führung Vertrautes wiederentdeckten – und sahen, was sich verändert hat. Einer von ihnen freute sich besonders über die erhaltene Isoliertapete. Schon bei Schwester Gertrud hätten sie ihre Zeichnungen dort aufgehängt, erzählte er – zeitweise so viele, dass von der Wand kaum noch etwas zu sehen gewesen sei.

Schulleiterin Nathalie Gerber zeigte den Gästen auf dem Rundgang, wie bei der Sanierung solche Erinnerungsstücke erhalten blieben und zugleich Räume für den heutigen Kindergartenalltag entstanden.

Über hundert Jahre Kindergarten

Der Kindergarten wurde 1908 erbaut und war laut ihr der erste im Bezirk Andelfingen. Bis in die 1950er-Jahre führten Diakonissen die damalige «Kleinkinderschule». Im Hauptraum, den schon Schwester Gertrud für den Unterricht nutzte, kommen die Kinder noch heute im Kreis zusammen. «Der Kreis ist ein Herzstück der Kinder», sagte Nathalie Gerber.

Das Gebäude steht im Inventar der kantonalen Denkmalpflege. Bei der Sanierung wurden alte Böden restauriert und frühere Wandfarben anhand der Farbschichten rekonstruiert. Nach rund 40 Jahren hat der Kindergarten auch wieder Fensterläden. Ein alter Schreibtisch blieb erhalten, ebenso Gestelle aus den 1980er-Jahren. Akustikdecken dämpfen nun den Lärm für Kinder und Lehrpersonen. Im Hauptraum gibt es zudem eine Lernwabe, in die sich Kinder mit einem Buch oder einem Puzzle zurückziehen können.

Mehr Platz im Obergeschoss

Am stärksten verändert hat sich das Obergeschoss. Dort befand sich bis 2008 noch eine Wohnung, zuvor waren es sogar zwei gewesen. Die Räume wurden später zwar für den Kindergarten genutzt, blieben aber klein und verwinkelt. Bei der Sanierung wurden drei Wände entfernt.

Heute gibt es unter anderem ein Bewegungszimmer zum Klettern und Turnen. Mehr Platz steht auch für das gemeinsame Kochen und Essen zur Verfügung. Als Nathalie Gerber von den Koch- und Backtagen erzählte, rief ein Kindergartenkind dazwischen: «Grittibänz machen!» Rund zehnmal im Jahr kochen oder backen die Kinder hier gemeinsam. Früher stand ihnen dafür und zum Essen nur eine kleine Ecke zur Verfügung.

Der Kindergarten bietet auch Platz für gezielte Förderung. Im Therapieraum finden unter anderem Lektionen für Deutsch als Zweitsprache, integrative Förderung und gelegentlich Logopädie statt. Auch ausserhalb der Unterrichtsräume wurde gearbeitet: Der Garten wurde stellenweise erneuert, auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert.

Für die Sanierung hatte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 1,33 Millionen Franken bewilligt (AZ vom 7.6.2024). Seit den Sommerferien wird im Gebäude wieder unterrichtet.

Wieder Leben im Zentrum Spilbrett

Auch das Zentrum Spilbrett konnten Interessierte besichtigen. Am 22. Mai 2025 war dort im damaligen Jugendraum eine Decke eingestürzt (AZ vom 6.6.2025). Verletzt wurde niemand. Weil die übrigen Räume gleich konstruiert waren, wurde das ganze Gebäude aus Sicherheitsgründen geschlossen. Eine spätere Expertise führte den Schaden auf Fehler bei einem Umbau im Jahr 1991 zurück.

Bei den Arbeiten blieb es nicht bei der Instandstellung der Decke. Im kirchlich genutzten Erdgeschoss wurden Wände entfernt und Räume neu aufgeteilt. Dort befinden sich das Kirchensekretariat und zwei Gemeinschaftsräume, einer davon mit Küche. Platz ist auch für Angebote wie Domino, Kolibri und den Religionsunterricht sowie für eine mögliche spätere Spielgruppe. Nach den Herbstferien kann die Kirchgemeinde das Geschoss wieder nutzen; ab Januar sollen die Gemeinschaftsräume gemietet werden können.

Im Stockwerk darüber entstanden zwei Klassenzimmer und Gruppenräume. Seit den Sommerferien werden dort rund 30 Jugendliche der ersten Sekundarstufe unterrichtet. Schulpräsident Gregor Jost findet, aus dem Deckeneinsturz sei so auch etwas Gutes entstanden. Wenn ein solcher Schaden schon passiere, solle man die Gelegenheit nutzen, sagte er. Mit den hellen, grösseren Räumen sei das aus seiner Sicht gelungen.