Kreationen von Julia Matzinger.
Wenn andere noch schlafen, beginnt für Julia Matzinger bereits der Arbeitstag. In der Backstube der Bäckerei und Konditorei Kilchsperger in Kleinandelfingen gehören Mehl, Teig und der Duft von frischem Brot längst zu ihrem Alltag. Hier hat die junge Rüdlingerin in den vergangenen drei Jahren ihr Handwerk gelernt – mit grossem Erfolg: Mit der Note 5,6 schloss sie ihre Ausbildung zur Bäckerin ab und erzielte damit das beste Resultat aller Absolventinnen und Absolventen in den Kantonen Zürich und Schaffhausen.
Für Julia selbst kam die Auszeichnung überraschend. Sie habe sich während der gesamten Lehrzeit viel Mühe gegeben, aber: «Ich habe das überhaupt nicht erwartet», erzählt sie. Umso grösser sei die Freude gewesen, als sie vom Resultat erfahren habe.
Der Weg dorthin führte über eine anspruchsvolle Abschlussprüfung. Allein der praktische Teil dauerte zwölf Stunden, verteilt auf zwei Tage. Neben handwerklichem Können waren vor allem Organisation und Ruhe gefragt – denn nicht alle Aufgaben waren im Voraus bekannt.
Besonders herausfordernd war dabei, auch unter Druck ruhig zu bleiben. «Das Schwierigste war für mich die Nervosität», sagt Julia. Wenn ein Produkt nicht ganz so gelang wie erhofft, musste sie den Fokus behalten: «Man muss sich kurz sammeln und einfach weitermachen, sonst geht der Zeitplan am Schluss nicht mehr auf.»
Vom Hobby zum Traumberuf
Die Freude am Backen begleitet sie seit ihrer Kindheit. Schon in der Primarschule stand sie gerne zu Hause in der Küche und backte für Familie und Freunde. Nach einem Zukunftstag in einer Bäckerei liess sie der Beruf nicht mehr los.
«Ich mache es mit Leidenschaft», sagt sie. Besonders gefalle ihr, dass man am Ende sehe, was man hergestellt habe – und dass die Kundinnen und Kunden Freude daran hätten. Während ihrer Lehrzeit hat sie sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiterentwickelt. Anfangs sei sie eher schüchtern gewesen, heute fühle sie sich im Team wohl und habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Auch eine wichtige Erkenntnis nimmt sie mit: «Früher dachte ich, man müsse einfach Gas geben.» Heute wisse sie, dass gutes Planen oft effizienter sei.
Mit Ehrgeiz zum Erfolg
Dass Julia grosses Potenzial hat, erkannte Stefan Kilchsperger, Inhaber der Bäckerei und Konditorei Kilchsperger, früh. «Vom ersten Lehrjahr an war mir klar, dass es sicher eine sehr gute Prüfung werden würde», erzählt er. Dass es gleich ein solches Spitzenresultat geworden sei, habe aber auch ihn überrascht.
Besonders beeindruckt hat ihn ihr Ehrgeiz. «Sie ist ein paar Extrarunden gelaufen, um das zu erreichen», sagt er. Immer wieder habe Julia Eigeninitiative gezeigt und mitgedacht: «Sie sieht Arbeiten, die teilweise nicht einmal ich sehe.»
Dass sie bereit ist, viel Einsatz zu geben, zeigt sich auch ausserhalb der Backstube. Neben Beruf und frühen Arbeitszeiten trainiert sie mehrmals pro Woche im Turnverein und im Leichtathletikclub. Ein Erlebnis blieb Stefan Kilchsperger speziell in Erinnerung: An einem Sonntag fragte er Julia, ob sie im Betrieb aushelfen könne. Sie sagte zu, stand am Morgen in der Backstube – und fuhr danach direkt weiter ans Eidgenössische Turnfest nach Lausanne. «Da habe ich mir gedacht: Du bist schon nicht normal», erzählt er lachend. Für ihn zeigt genau das, was sie ausmacht: Ehrgeiz, Zuverlässigkeit und Leidenschaft.
Ein neues Kapitel beginnt
Nach drei intensiven Jahren wartet nun eine neue Herausforderung. Für ein Jahr wechselt Julia Matzinger zum Flughafebeck Steiner, wo sie zusätzliche Erfahrungen in der Confiserie sammeln will. «Ich werde das Team sicher vermissen», sagt sie. Gleichzeitig freue sie sich darauf, einen grösseren Betrieb kennenzulernen und fachlich weiterzuwachsen.
Auch Stefan Kilchsperger lässt sie nur ungern ziehen – ist sich aber bewusst, dass dieser Schritt wichtig ist. Und wer weiss: Vielleicht führt ihr Weg nach diesem Jahr wieder zurück in die vertraute Backstube.
Ihre wichtigste Zutat nimmt sie auf jeden Fall mit: die Leidenschaft für ihr Handwerk.
Vom ersten Teig bis zur Bestnote