Auch abseits der Bahnen gibt es im Langriet einiges zu entdecken. Kleine Kunstwerke prägen das Bild der Anlage.
Das dumpfe Klacken des Balls, das Rascheln der Blätter und immer wieder ein leises «Fast!» Wer die Minigolfanlage im Langriet betritt, merkt schnell: Hier geht es weniger um Hektik als ums Zusammensein. Auf den 18 Bahnen liefern sich Familien, Paare und Freunde kleine Duelle. Ein Grossvater spielt mit seiner Enkelin, Stammgäste sitzen auf der Terrasse, und immer wieder bleibt jemand kurz bei Stefan Bärlocher stehen.
Der Präsident des Minigolf-Clubs Rheinfall betreibt die Anlage seit dem vergangenen Jahr. Über den Bahnen spenden grosse Bäume Schatten und verleihen dem Gelände einen parkähnlichen Charakter. «Das ist wahrscheinlich einmalig in der Schweiz», sagt er mit Blick auf den dichten Baumbestand. Allein im Herbst fallen mehr als 100 Container Laub an. Trotzdem möchte er auf keinen einzigen Baum verzichten.
Dass er die Anlage heute führt, war ursprünglich nie geplant. «Als Familienvater bin ich oft mit meinen beiden Kindern hier Minigolf spielen gegangen», erzählt er. Als sich seine Tochter einen eigenen Schläger wünschte, legte auch er sich einen zu. Bald fragten ihn Vereinsmitglieder, ob er nicht dem Club beitreten wolle. Aus einem Freizeitplausch wurde eine Leidenschaft. Heute präsidiert Stefan Bärlocher den Verein, investiert während der Saison über 20 Stunden pro Woche in die Anlage und nimmt regelmässig an Turnieren teil.
In den Fussstapfen des Gründers
Mit der Übernahme der Anlage trat er in grosse Fussstapfen. Armin Weber hatte die Minigolfanlage vor 50 Jahren gemeinsam mit Vereinskollegen grösstenteils in Fronarbeit aufgebaut und über Jahrzehnte gepflegt. Als er aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten musste, stand für Stefan Bärlocher rasch fest, dass die Anlage weiterbestehen sollte.
«Ich darf sein Lebenswerk weiterführen», sagt er. Das sei für ihn nicht selbstverständlich, sondern eine grosse Ehre.
Die Geschichte der Anlage reicht bis ins Jahr 1975 zurück. Damals erhielt der neu gegründete Verein das Gelände im Baurecht und errichtete die 18 Betonbahnen in unzähligen Stunden Freiwilligenarbeit. Viele Vereinsmitglieder engagieren sich bis heute für Unterhalt und Pflege – ein Einsatz, der den Charakter der Anlage bis heute prägt.
Mehr als nur Ferienplausch
Was auf den ersten Blick wie ein unkomplizierter Ferienplausch wirkt, ist gleichzeitig ein anspruchsvoller Präzisionssport. Zwar sind die Bahnen genormt, doch jeder Ball reagiert anders. Temperatur, Material und Schlagtempo entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg.
«Man muss wissen, was der Ball macht, wenn er zu schnell oder zu langsam ist», erklärt Stefan Bärlocher. Spitzenspieler besitzen Hunderte verschiedene Bälle und verbringen vor Wettkämpfen nicht selten eine Stunde an einer einzigen Bahn, um die ideale Linie und den passenden Ball zu finden.
Wie entscheidend das Material sein kann, zeigt ein kurzer Praxistest. Ein Besucher probiert einen Profischläger und einen Wettkampfball aus. Schon nach wenigen Schlägen blickt er überrascht auf. «Das ist ja ein riesiger Unterschied», sagt er. Stefan Bärlocher schmunzelt. Genau diese Feinheiten machten den Reiz des Sports aus.
Trotz aller Technik schätzt er vor allem den Umgang miteinander. «Ich kenne keine Sportart, die so fair ist.» Selbst an Turnieren sei es selbstverständlich, dass sich Konkurrenten gegenseitig Tipps gäben oder sogar einen passenden Ball ausliehen. Den entscheidenden Schlag müsse am Ende aber jeder selbst machen.
Die «Andelfinger Zeitung» verlost 5×3 Eintritte für die Minigolfanlage im Langriet in Neuhausen. Die Eintritte werden von der Minigolfanlage Langriet zur Verfügung gestellt. Wer mitmachen möchte, sendet bis spätestens Donnerstag, 23.7.2026, 10 Uhr, ein E-Mail mit dem Stichwort «Minigolf» an agenda@andelfinger.ch. Viel Glück! (az)
Ein Sport sucht Nachwuchs
Ganz ohne Sorgen blickt er dennoch nicht in die Zukunft. Denn während Minigolf als Freizeitbeschäftigung beliebt bleibt, kämpft der organisierte Sport schweizweit mit Nachwuchsproblemen. «Jeder spielt gerne Minigolf», sagt er. Nur wenige entscheiden sich jedoch für den Vereinssport.
Im Alltag der Anlage treten diese Sorgen vorerst in den Hintergrund. Gegen Abend treffen sich Vereine zum gemeinsamen Spielen, daneben ist das Langriet Austragungsort mehrerer Turniere. Tradition haben das Paarturnier am Pfingstmontag und das Ranglistenturnier Anfang Oktober. Erstmals seit längerer Zeit organisiert der Verein dieses Jahr zudem wieder ein Volksturnier, bei dem alle Teilnehmenden mit denselben Schlägern und Bällen antreten.
Vielleicht liegt genau darin der Reiz des Langriets: Hier treffen ambitionierte Turnierspieler auf Familien, Stammgäste auf Feriengäste und Ehrgeiz auf entspannte Sommernachmittage. Zwischen schattigen Bäumen, einem kühlen Getränk auf der Terrasse und dem nächsten Schlag bleibt fast immer noch Zeit für einen kurzen Schwatz.
Die Minigolfanlage ist von Anfang April bis Oktober geöffnet. Während der Sommerferien gelten verlängerte Öffnungszeiten bis 21.30 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Franken für Erwachsene und 4 Franken für Kinder.
Wer eine weitere Anlage ausprobieren möchte, wird in der Region fündig. Direkt am Rhein in Wagenhausen befindet sich eine moderne Anlage, die von April bis Oktober geöffnet ist. Eine Partie kostet für Erwachsene 6.50 Franken, Kinder bis 15 Jahre bezahlen 4.50 Franken. In Winterthur gibt es zwei Anlagen: Die Breite gehört zu den ältesten Minigolfanlagen der Schweiz und ist jeweils von Mitte März bis Ende Oktober geöffnet. Erwachsene bezahlen 6 Franken, Kinder 4 Franken. Die Anlage beim Schützenhaus richtet sich mit ihren Tier- und Fantasiefiguren besonders an Familien. Sie ist ganzjährig geöffnet; Erwachsene bezahlen 7.50 Franken, Kinder je nach Alter zwischen 3.50 und 6 Franken. (st)
In den Sommerferien zieht es viele in die Ferne. Doch auch die Region bietet diverse interessante Aktivitäten. Der Besuch einer Badi geht
natürlich immer. Im Rahmen unserer Sommerserie stellen wir einige Alternativen vor. (az)
Wo Minigolf unter Bäumen lebt