Wohin mit dem Kindergarten?

Benken - Seit bald 70 Jahren gehört der Kindergarten an der Nüsatzstrasse zum Dorfbild. Nun ist das Gebäude sanierungsbedürftig. An einem Austauschabend stellte die Schulpflege mögliche Lösungen vor und suchte den Dialog mit der Bevölkerung.

Stefanie Tumler (st) Publiziert: 13. März 2026
Lesezeit: 3 min

«Der Kindergarten ist ein Teil unserer Dorfgemeinschaft. Die Investitionen betreffen Steuergelder, und die Standortfrage beeinflusst die Dorfentwicklung», sagte Schulpflegepräsident Uwe Maier am Dienstag zu Beginn des Informations- und Austauschabends zur Strategie «KIGA 2030». Ziel sei es, mögliche Richtungen aufzuzeigen und Rückmeldungen aus der Bevölkerung einzuholen. Entscheide seien noch keine gefallen.

Auslöser für die Überlegungen ist unter anderem die Gebäudetechnik: Die elektrischen Speicheröfen müssen gemäss kantonalen Vorgaben bis spätestens 2030 ersetzt werden.

Drei Varianten

Die Schulpflege präsentierte drei Varianten. Eine Möglichkeit wäre die Sanierung des bestehenden Kindergartens. Dabei müssten unter anderem Heizung, Elektroinstallationen und Gebäudehülle erneuert werden. Die Kosten werden auf rund 900'000 Franken geschätzt. Während der Bauzeit wäre zudem ein Provisorium nötig, das zusätzlich rund 150'000 Franken kosten würde.

Eine zweite Variante wäre ein behindertengerechter Ersatzbau am heutigen Standort. Dafür rechnet die Schule mit Kosten von rund 1,86 Millionen Franken, ebenfalls zuzüglich eines Provisoriums. Beide Varianten hätten den Vorteil, dass der Kindergarten weiterhin unabhängig von der Schule betrieben werden könnte. Als Nachteile nannte Uwe Maier unter anderem die Distanz zum Schulhaus – etwa für Fachlehrpersonen – sowie das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Als dritte Möglichkeit präsentierte er einen Neubau auf der ehemaligen Spielwiese beim Schulhaus. Der Kindergarten würde damit näher an die Schule rücken und künftig mitten im Dorf liegen statt – wie heute – etwas oberhalb. Ein zweistöckiger Neubau würde gemäss ersten Schätzungen rund 2,6 Millionen Franken kosten.

Aus Sicht der Schulpflege hätte dieser Standort mehrere Vorteile: kurze Wege, gleiche Schulwege für alle Kinder sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule. Denkbar wären auch Syner­gie­n mit bestehenden Schulangeboten, eine Erweiterung für Tagesstrukturen sowie organisatorische Erleichterungen. Als Nachteile nannte Uwe Maier den längeren Weg zum Waldplatz sowie offene Fragen rund um die Dienstbarkeit des heutigen Standorts.

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Eine mögliche Zukunftsvariante wäre ein Neubau auf der alten Spielwiese (rechts) beim Schulhaus. | Archiv

Dienstbarkeit spielt eine Rolle

Bei den Überlegungen spielt die Geschichte des Grundstücks eine grosse Rolle. Im Kaufvertrag (siehe Kasten) sind zwei Dienstbarkeiten festgehalten. Eine davon ist inzwischen durch den Tod der berechtigten Person erloschen. Die zweite – zugunsten des Frauenvereins Benken – besteht weiterhin und hält fest, dass auf dem Grundstück nur ein Kindergarten stehen darf.

Die Schulpflege hatte den Frauenverein 2024 auf eine mögliche Aufhebung angesprochen. Die Mehrheit des Vereins sprach sich dagegen aus. Zu diesem Zeitpunkt lagen allerdings noch keine Varianten vor.

Sollte der Kindergarten künftig an einen anderen Standort verlegt werden, könnte das jetzige Grundstück Stand heute nicht anderweitig genutzt werden, solange die Dienstbarkeit bestehen bleibt. Würde sie aufgehoben, könnte die Parzelle – sie liegt in der Wohnzone – verkauft werden. Der Erlös könnte zur Finanzierung eines Neubaus beitragen.

Bevölkerung setzt Prioritäten

Am Anlass konnten die Teilnehmenden verschiedene Kriterien gewichten. Besonders viele Stimmen erhielten eine erweiterte Nutzung des Gebäudes – etwa für einen Mittagstisch –, ein barrierefreier Bau sowie die örtliche Trennung von Kindergarten und Schule. Weniger Gewicht erhielten Tradition sowie eine möglichst kostengünstige Lösung. Der Erhalt des heutigen Zustands fand kaum Unterstützung.

In den Wortmeldungen zeigte sich, dass der Standort des Kindergartens viele beschäftigt. Mehrere Meldungen drehten sich um die Frage, ob Kindergarten und Schule künftig näher zusammenrücken oder weiterhin getrennt bleiben sollten. Während einige eine engere Anbindung begrüssen, sehen andere in der bisherigen Trennung einen Vorteil.

Die Schulpflege will die Rückmeldungen aus dem Mitwirkungsabend in die weiteren Planungen einfliessen lassen. Klar ist: Über einen möglichen Neu- oder Umbau sowie einen allfälligen Landverkauf werden letztlich die Stimmberechtigten entscheiden.

Engagement aus dem Dorf

Der Kindergarten wurde am 12. Oktober 1958 eingeweiht (AZ vom 8.4.2011). Möglich wurde der Bau dank des Engagements zahlreicher Frauen aus Benken. Die Dorfschullehrerin Luise Kuhn setzte sich zusammen mit dem Frauenverein für eine Betreuung der jüngsten Kinder ein. 1956 stellten die Geschwister Moser dem Frauenverein ein Stück Land an der Nüsatzstrasse zur Verfügung. Der Bau kostete rund 125'000 Franken. Der Frauenverein steuerte etwa 20'000 Franken aus seinem Fonds bei und sammelte mit Basaren und Spendenaktionen weitere Mittel. Bau und Unterhalt lagen bei der Politischen Gemeinde, während die Schulgemeinde die jährlichen Betriebskosten übernahm und der Frauenverein die Organisation führte. 1968 erwarb die Primarschule den Kindergarten mit den entsprechenden Auflagen.