Zum 1150-Jahr-Jubiläum blickte Flurlingen nicht nur auf seine Geschichte zurück. Mit Reto Berra nahm am Samstag auch ein prominenter Einwohner auf der Bühne Platz und gab Einblicke in sein Leben und seine Karriere. Seit 2021 lebt er mit seiner Partnerin in Flurlingen. Dass es die beiden hierherzog, hat vor allem mit der Lage zu tun: Beide sind gerne am Wasser, sie ist zudem Schwimmerin und aus der Region Schaffhausen. Den Rhein heute direkt vor der Haustür zu haben, bezeichnete Reto Berra im Gespräch als grosses Privileg.
Viel zu erzählen gab es über die vergangenen Monate. Acht Jahre stand er bei Fribourg-Gottéron im Tor. Als er damals nach Freiburg wechselte, reizte ihn insbesondere die Herausforderung, mit dem bis dahin titellosen Club Schweizer Meister zu werden. Ausgerechnet in seiner letzten Saison gelang es. «Dass ich es genau auf meinen letzten Arbeitstag bei diesem Club schaffte, ist unglaublich», erzählte er dem Publikum. Es sei die schönste Saison seiner Karriere gewesen.
Der Kreis schliesst sich
Nach acht Jahren in Freiburg beginnt für ihn nun ein neues Kapitel – bei jenem Club, für den sein Herz schon als Kind schlug. Als kleiner Junge besuchte der gebürtige Bülacher mit seinem Vater die Spiele des EHC Kloten. Als ihm Fribourg-Gottéron im August 2025 mitteilte, künftig auf einen jüngeren, einheimischen Torhüter setzen zu wollen, musste er deshalb nicht lange überlegen. Bereits am nächsten Tag rief er den Klotener Sportchef an. «Ich bin mega happy, dass sich der Kreis jetzt etwas schliesst», erzählte er.
Dass er seine nächste Station überhaupt wählen konnte, sei ein grosses Privileg – viele Spieler seien am Ende eines Vertrags froh, irgendwo unterzukommen. Kloten werde wohl seine letzte Station als Spieler sein, blickte Reto Berra voraus.
Dort wartet auf den 39-Jährigen noch eine weitere Aufgabe. In der deutlich jüngeren Mannschaft möchte er nicht nur seine Leistung im Tor bringen, sondern auch seine Erfahrung weitergeben. Insbesondere die jungen Goalies will er unterstützen und für sie eine Art Mentor sein. Eine Rolle, die ihm offenbar liegt: Nach seiner aktiven Karriere könne er sich gut vorstellen, als Goalietrainer zu arbeiten.
Selbst den Schlusspunkt gesetzt
Ein weiteres Thema am Jubiläum war sein Abschied aus der Schweizer Nationalmannschaft. Nach 138 Länderspielen erklärte er diesen Sommer seinen Rücktritt. Viermal gewann er mit der Schweiz WM-Silber – 2013, 2018, 2024 und zuletzt an der Heim-WM 2026.
Auf die Frage, wie er mit vier Silbermedaillen und dem jeweils verpassten WM-Titel umgehe, rückte er das Erreichte in den Vordergrund. Bei seinen ersten Weltmeisterschaften sei der Viertelfinal noch das Ziel gewesen. Die erste Silbermedaille 2013 habe die Mannschaft deshalb «wie eine Goldmedaille» gefeiert. Heute überwiegt der Stolz: «Wir haben Unglaubliches geleistet.»
Für seinen Rücktritt gab es mehrere Gründe. Mit 39 Jahren und nach einer Bandscheibenoperation vor vier Jahren sei die Regeneration wichtiger geworden. Zudem wollte er selbst bestimmen, wann seine Zeit in der Nationalmannschaft endet – und nicht warten, bis Verletzungen oder ausbleibende Aufgebote die Entscheidung für ihn treffen. Gleichzeitig sei es an der Zeit, jüngeren Torhütern Platz zu machen.
Dass der Weg zum Profisport auch für ihn nicht immer geradlinig verlief, verriet er zum Schluss. Mit 16 Jahren hatte er zeitweise die Freude daran verloren, im Tor zu stehen, und wäre lieber Feldspieler geworden. Sein Traum vom Profisport war jedoch stärker. Jungen Eishockeyspielern rät er deshalb zu Freude, Disziplin, Durchhaltevermögen und einer dicken Haut. Vor allem dürfe man sich von anderen nicht von den gesteckten Zielen abbringen lassen: «Du musst deinen eigenen Träumen folgen. Du darfst gross träumen.»
Premiere für Bastian Baker
Für einen musikalischen Höhepunkt sorgte am Freitagabend Bastian Baker. Der Lausanner Sänger lockte zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf den Festplatz und spielte vor dicht gefüllten Reihen. Dabei gab es selbst für den erfahrenen Musiker noch eine Premiere: An einem 1150. Geburtstag habe er schliesslich noch nie gespielt, scherzte er auf der Bühne. Mit seinen Songs und seiner lockeren Art zog er das Publikum in seinen Bann. Die Besucherinnen und Besucher feierten mit und sorgten für ausgelassene Stimmung auf dem Festplatz.
Zwischen Rhein, Meistertitel und neuem Kapitel